Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut ...

Liebe Hörer:innen,

Ich freue mich sehr über mein neues Cover Bild: ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Herzliche Grüße Klaus Jansen-Kayser

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut ...

Wichtige Rahmenbedingungen für die psychiatrische Versorgung setzt die Politik. Das findet sich sowohl in Bundes-, als auch Landesgesetzen. Die konkrete Ausgestaltung hat unser Parlament allerdings den sogenannten Fachgesellschaften überlassen. Diese erstellen Behandlungsleitlinien. Die Krankenkassen verhandeln die Geldsätze mit den jeweiligen Trägern der psychiatrischen Versorgung. Den Bundesländern und Kommunen sind die wichtigen Aufgaben von Ordnungs- und Sicherheitsrahmenbedingungen übertragen. Auf der Bundesebene fehlt vor allem eine regelmäßige Übersicht in Form eines Berichtes über den Zustand der psychiatrischen Versorgung, nicht nur der ambulanten und stationären Behandlung, sondern auch und vor allem eine Übersicht über alle Einrichtungen und Hilfsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen, außerhalb der medizinischen Versorgung. Die DGSP hat allen größeren Parteien, die sich zur Bundestagswahl stellen mit ihren sogenannten Wahlprüfsteinen um Antworten und Statements zu verschiedenen Fragekomplexen der Weiterentwicklung der Psychiatrie in Deutschland gebeten. Dies, aber auch andere Stellungnahmen von Verbänden aus diesem Spektrum sind Gegenstand der heutigen Episode meines Podcast.

Kein weiter so ...

Gudrun Tönnes erzählt ihre Lebensgeschichte weiter, dass ihr Weg der Genesung noch lange andauert, sie ganz gehörig viel Eigenverantwortung dabei übernahm, die eigentlichen Helfer:innen in dieser Zeit keine wirklich wichtige Rolle spielten und wie erfolgreich sie die Klippen des Systems umschiffte. Und schließlich wie sie als Ergotherapeutin viele Jahre in Institutionen gearbeitet hat und sich dabei mit ihrer multiperspektivischen Erfahrung zu einer erfolgreichen Bildungsunternehmerin und zu einer festen Größe in der bundesrepublikanischen Szene der Peerbewegung und darüber hinaus entwickelt hat. Sie wird uns eine sehr interessante und vor allem sehr ehrliche Betrachtung des deutschen „Psychiatrie Zirkus“ geben.

Im Musikteil erzählt uns Bernd diesmal die Geschichte eines besonderen Songs.

Die Idee, nicht die Wirklichkeit bietet Trost und Hoffnung

Gudrun Tönnes ist heute im Gespräch und nimmt uns mit in ihre bemerkenswerte Biografie. Sie schildert sehr eindringlich ihre Erschütterung in frühen Lebensjahren, ihren langen Weg durch und mit der Psychiatrie und von ihrem festen Ziel Ergotherapeutin zu werden, aber vor allem wie sie ihren ganz eigenen Weg der Emanzipation hartnäckig verfolgt.
Im Musikteil beleuchtet Bernd Nigbur eine weitere bekannte Punkrock Band aus England. Die Songs werdet ihr kennen.

Fragilität Fairness Flexibilität

In dieser Episode vor der Sommerpause geht es noch einmal um das Thema Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigungen. Christian Gredig steht im Gespräch Rede und Antwort zum Thema Zuverdienst - eine besondere Form von Arbeit - und erklärt uns die Struktur der Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeieten in Deutschland. Dabei nennt er einige interessante Beispiele von Arbeitsprojekten und nimmt uns mit in die tiefere Bedeutung von Arbeit und Beschäftigung für den einzelnen Menschen.

Musikmäßig sind wir in dieser Episode mit gradlinigem Rock unterwegs und Bernd Nigbur stellt uns diese Musik vor, gut recherchiert wie immer mit sommerlicher Note.

Zuversicht Zutrauen Zuverdienst

„Zuverdienst“ ist ein vor allem im psychiatrischen Hilfesystem existierende Angebotsform zur Förderung einer niedrigschwelligen Teilhabe am Arbeitsleben. Die etwas unspezifische Begrifflichkeit drückt aus, dass die in dieser Form beschäftigten Menschen ihren Lebensunterhalt primär aus anderen Quellen speisen (häufig aus Transferleistungen wie Erwerbsminderungsrente, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder HARTZ IV) und die Tätigkeiten einen - meist geringen - Zuverdienst zu diesen Einkommen ermöglichen.

Wunsch Erwartung Realität

Wie entstehen Teams in der Gemeindepsychiatrie, wie schwierig zu überwinden sind die Schnittstellen zwischen verschiedenen Akteuren dort in der Gemeinde. Die Innenansicht eines spannenden Prozesses wie neue ambulante Institutionen in der Sozialpsychiatrie entstehen.
Und Musik und Text zum Thema Beziehung zwischen Vater und Tochter und umgekehrt, wieder hervorragend aufbereitet von Bernd Nigbur.

drinnen draußen verbinden

Ein Versuch sich der persönlichen Dimension des Leids anzunähern. Zugegeben etwas wackelig. Extreme Gefühlszustände von Schmerz, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit sind aber vielfach der Kern seelischen Leids. Wenngleich der Zugang , eine Beziehungsaufnahme zu einem Menschen in solchen extremen Krisensituationen ganz stark über die Wahrnehmung und Zurkenntnisnahme des eigenen Gefühls.

Impuls Identität Innovation

In dieser Episode geht es eher um das Ganze der Psychiatrie. Grundhaltungen, Paradigmen, Strukturen, Modelle und eine Einschätzung durch welche modernen Entwicklungen die Psychiatrie in den nächsten Jahrzehnten geprägt werden kann. Dazu gibt es diesmal einige unterschiedliche Stimmen zu hören.

Bis hinein in Bernd's Musikteil, der diesmal die laute Stimme einer Künstlerin vorstellt mit einer ebenso deutlichen Aussage.

Zufall Erkenntnis Alternative

Im Gespräch mit Volkmar Aderhold über die Psychiatrie der Gegenwart und mögliche Formen in der Zukunft. Die Bedeutung von Psychiatrie Erfahrenen (Peers) und welche Bedeutung die Politik bei wirklichen Veränderungen spielen kann.

Begegnung Begehren Beziehung

Heute im Gespräch mit Klaus Marschall, der als Sozialarbeiter Gemeindepsychiatrie in einem stolzen Kölner Viertel aufbaute und weiterentwickelt hat. Er erzählt unterm Pflaumenbaum sitzend von seinen ersten Begegnungen in der Uniklinikpsychiatrie, seinen Wohnheimerfahrungen und schließlich erläutert er kenntnisreich den Aufbau eines Sozialpsychiatrischen Zentrums. Das Gespräch gibt einen tiefen Einblick in die Tücken, Schwierigkeiten und Erfolge, die ein solches Unternehmen mit sich bringt, von Politik und Gesellschaft, die dabei eine wichtige Rolle spielen und warum er in seinem nächsten Leben lieber in die Sportbranche wechseln würde.

Bernd knüpft in seinem Beitrag und auch in dem von ihm ausgewählten Song direkt an das Pflaumenbaumgespräch an.