Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 45 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 45 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

divers nachhaltig menschengerecht

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Definition und Standortbestimmung der in die Jahre gekommenen Sozial-Psychiatrie in der BRD. Was gehört verändert und wie sieht Psychiatrie anderswo aus? Eine Tagung der DGSP (Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie) in Berlin vom 10./11.6.2022 beschäftigte sich ausführlich und umfassend mit der Zukunft. Ob Berlin noch ein geeigneter Ort für jedwede Art von Zukunft ist, erlaube ich mir als „Provinzler aus Köln“ jedoch zu bezweifeln. Das spielt aber keine Rolle und für diesen Podcast ist es Anlass genug, sich auch mit der Zukunft zu beschäftigen. Die vergangenen Jahrzehnte der deutschen Psychiatrie werde ich von verschiedenen Perspektiven aus für Zukünftiges nutzen. Heute werden Ausschnitte aus ersten Vorträgen der Tagung eingespielt. Dieses große Thema „Zukunft der (Sozial)- Psychiatrie“ wird natürlich in guter deutscher Tradition gründlich und mit viel Kopflastigkeit angegangen. Hoffentlich dann auch mit einem (oder mehreren) praxistauglichen Ergebnissen. Aber dahin scheint es noch weit zu sein. So werde ich auch in der nächsten Episode die Zukunft weiter vorstellen.
Im Musikbeitrag gibt uns Bernd Nigbur die Geschichte von den Pretty Things, warum sie genauso (oder besser) als die Rolling Stones sind und er lässt sie auch songs spielen.

Zukunft wird gemacht, es geht voran

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Die Sozialpsychiatrie braucht seit langem einen gehörigen Push, um sich zu verändern, zu verbessern. Kann sie es überhaupt von innen heraus schaffen oder braucht sie nicht tatsächlich einen außerordentlichen Druck von außen? Welche Haltungen Menschen mit psychischen Erkrankungen gegenüber müssen kritisch betrachtet werden und überhaupt was ist mit Krankheitsbegriff? Brauchen wir einen? Gibt es Konzepte Psychiatrie human, gewaltfrei und mit nachhaltiger Wirkung zu gestalten? In dieser Episode werden erste Gedanken, Vorstellungen und Einschätzungen zur Umsetzung formuliert. Dazu werden einige Stimmen zitiert, um sich diesem überaus politischen Vorhaben zu nähern. Vielleicht auch ein wenig als Vorbereitung auf eine Tagung mit dem Titel "Zukunft der Sozialpsychiatrie", die am 10./11.6.2022 in Berlin von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) veranstaltet wird. Darüber wird in diesem Podcast auch in den nächsten Episoden berichtet.
Im Musikteil erzählt Bernd Nigbur aus einer besonderen Situation heraus von Motorhead, das lohnt sich besonders.

Von der Märchenstunde zur Extra Tour

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In dieser Episode folgt der zweite Teil meines Gesprächs mit Marianne Bosshard, Psychoanalytikerin, Hochschulprofessorin em., Buchautorin und große Kennerin des Liebeslebens der Bäume. Wir sprechen über ihre Zeit an der Hochschule, den sehr interessanten Projekten dort, Exkursionen mit den Studierenden nach Italien, Dänemark und in andere europäische Länder. Ein kurzweiliges Gespräch mit Tiefgang. Lasst Euch von ihr und auch von Bernd Nigbur in die Weiten unbekannter Landschaften führen. Musik hat mit Sommer und anderen guten Gefühlen zu tun.

Wurzeln Märchenstunde Vielstimmigkeit

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Heute ist der Wachsaal wieder mal auf Tour. Ich bin zu Gast in Oberhausen bei Prof. Dr. med. Marianne Bosshard, Jg. 1942, sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytikerin. Sie lehrte Sozialmedizin und Psychopathologie am FB Sozialpädagogik der TH Köln und arbeitete in geringem Umfang auch in eigener psychoanalytischer Praxis. Der Beginn ihres Medizinstudiums fand statt inmitten der Zeit der wilden 1968'er Jahre und ihrer Erfahrung vom Muff von 1000 Jahren unter den Talaren. Sie erzählt von den spannenden Anfängen ihrer Arbeit in einer Anstalt, in der sie damals schon auf einer psychoanalytischen geführten Station an einem besonderen Behandlungskonzept beteiligt war - und das schon 1972. Sehr hörenswerte Eindrücke. Sie nimmt uns mit auf weitere Kapitel ihres Schaffens in dieser und auch in der nächsten Episode dieses Podcast.
Im Musikteil schildert Bernd Nigbur wo und wobei er einen Luziden Traum hatte und wie der ihn erneut zur Musik nach London entführte.

Seelen in der Gemeinde

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Zweiter Teil der Veranstaltung „100 Jahre kommunale Psychiatrie in Köln“ vom 4. April 2022. Ausschnitte der Vorträge von (auch in dieser Reihenfolge) Leila Al Zihaira. Sie ist Angehörige eines Menschen mit einer psychischen Erkrankung und Vorstandsmitglied des Kölner Angehörigenvereins „Rat und Tat“. Sie spricht über die Arbeitsweise und ihre Perspektive, aber auch über ihre Vorstellung und Wünsche in der Angehörigenbewegung.
Dr. Mathias Albers schließt sich mit seinem Vortrag an. Er ist der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes der Stadt Köln und referiert über den Begriff Gemeindepsychiatrie, deren Errungenschaften und stellt seine Erwartung an die Entwicklung einer „gemeindeintegrierten“ Sozialpsychiatrie vor.
Die nächsten beiden Vorträge sind historische Betrachtungen der 100-jährigen Entwicklung kommunaler Psychiatrie. Thomas Deres vom Historischen Archiv der Stadt Köln macht das einmal sehr lokal bezogen auf die Entstehung der „Fürsorgestelle für Nervöse“ in den 1920’er Jahren über die fürchterliche Rolle des Gesundheitsamtes während der Naziherrschaft bis zu den 1970’er Jahren.
Prof. Sabine Schleiermacher von der Charité Berlin hat ihren historischen Blick fokussiert auf die Rolle der Amtsärzte während des Nationalsozialismus gerichtet und wie diese Rolle sich auf Grund eines Großteils personellen Kontinuität trotz Entnazifizierungsverfahren nur langsam nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nazis änderte.
Im Musikteil von Bernd Nigbur lasst Euch in die Zeit des Punks in London in den 1970'er Jahren entführen.

Geschichtliches : Erreichtes : Gefordertes :

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Kannst Du überhaupt etwas mit dem Begriff „kommunale Psychiatrie“ anfangen? Was kommt Dir dazu spontan in den Sinn? Auf dieser Veranstaltung wurden eine Menge Vorträge gehalten, da waren politische Statements vom Sozialdezernenten und gar der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Fachvorträge einiger Psychiater zu eher innovativen Modellen und nicht zu dem mühsam sich entwickelten gemeindepsychiatrischen und außerklinischen Versorgungssystem. Und besonders wichtig, wie ich finde, wurden die Perspektiven der betroffenen Psychiatrie Erfahrenen und der Angehörigen eindrücklich vorgetragen. Was aber aus meiner Sicht fehlte war der Standpunkt der unbeteiligten Bürger:innen zum Zustand der kommunalen Psychiatrie oder überhaupt zu ihrer Sichtbarkeit im Alltag. Was kriegen die Bürger:innen davon mit, was wissen die darüber und wie bewerten die das?
Ist oder wie ist dieser Teil der Psychiatrie für Dich sichtbar, gibt es Berührungspunkte zu diesem Versorgungssystem?
Ich denke, die „normale“ Bevölkerung sieht vor allem die psychiatrischen Kliniken in diesem Land. Und dazu herrscht nach wie vor und überwiegend keine gute Meinung. Hast Du eine Haltung zu diesem Teil der Versorgung?
Was glaubst Du woran es liegt, dass nach fast 50 Jahren Reformbewegung in unserer Republik, über die Du ja ständig in diesem Podcast von mir hörst, von diesen ganzen Hilfe- und Versorgungsstrukturen außerhalb der psychiatrischen Kliniken so gut wie nichts bekannt ist? Auch ruhig mal weitergedacht als in den üblicherweise engen oder verkürzten oder gar von Interessen geleiteten Diskurs in Fachkreisen.
Das sind Fragen, die ich mit meinem Gesprächspartner Bernd Nigbur bespreche. Dann wird es einige Einspieler der Veranstaltung "100 Jahre kommunale Psychiatrie in Köln" geben.
Ja und im Musikbeitrag von heute geht es um Antikriegslieder und was Marlene Dietrich dazu beigetragen hat.

Positives aus der Psychiatrie

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In einem Selbstgespräch versucht Klaus Jansen-Kayser sich Erinnerungen an positive Erfahrungen und Erlebnisse in den Anfängen der Reformpsychiatrie zu entlocken. Es werden kleine und persönliche Eindrücke aus dem rauen psychiatrischen Anstaltsleben von damals geschildert.
Im Musikteil wird es ganz schön wienerisch, aber auch wild.
Durch die heutigen Beiträge und auch im Dialog zu Beginn dieser Episode ziehen sich positives und zuversichtliches durch.

Tag Hoffnung - Licht Dunkel - Stille Angst

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Wer glaubt heute ist der Alltag auf den psychiatrischen Krankenhausstationen so viel anders als früher, der hört rein in diese Podcast Episode. Je nach Dienstplan waren es vier bis sieben solcher Nächte an einem Stück. Ich muss schon sagen, nichts woran ich mich jemals gewöhnen konnte. Und immer wieder heilfroh und entlastet war, wenn der Morgen graute, die Tagesschicht bald eintraf und ich diesem selbst eingesperrt sein, entfliehen konnte. Aber bis es so weit war konnte sich oft einiges ereignen.

Frieden|Freiheit|Menschlichkeit

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Heute ist erneut die Sozialistische Selbsthilfe Köln (SSK) das Thema. Im 2. Teil des Gesprächs mit Lothar Gothe geht es über Heilung durch gemeinsame Aktionen und vor allem um die Kraft des Gemeinschaftslebens, aber auch deren Fragilität und Verletzlichkeit. Um die Angst der "großen" Akteure der Psychiatriereform vor dem kleinen SSK. Auch Psychopharmaka, die eigene Betroffenheit und die Auseinandersetzung mit Caspar Kulenkampf und anderen Reformgrößen ist Thema. Über das Thema Psychiatrie hinaus geht es Lothar Gothe aber auch um die Herausforderungen der ökologischen Krise des Planeten und sein lebenslanger Kampf gegen Nazis in der Gesellschaft.
Ja und dann hat uns der Krieg in Europa eingeholt in dieser Episode.
Der Musikbeitrag von Bernd Nigbur nimmt kurz dazu Stellung.
Und Karneval hat uns diesmal ganz und gar nicht eingenommen, ganz und gar nicht!

Widerstand beschleunigt Reform

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Diese Podcastfolge ist der Versuch der Speerspitze der Protestbewegung gegen die Missstände der deutschen Psychiatrie in den 1970' und 1980' Jahren eine Stimme zu geben. Lothar Gothe von der Sozialistischen Selbsthilfe Köln (SSK) erzählt von damals, aber auch von seiner heute andauernden Auseinandersetzung mit rechter Hetze und Gewalt.
Auszug aus der Internetseite Lothar Gothe:
"In psychischer Hinsicht waren es oft gerade die gemeinsamen Aktionen wie Haus- oder Bürobesetzungen, die auch heilsam wirkten, weil sie unser Selbstbewusstsein stärkten und einigen von uns die mit Füßen getretene Würde zurückgaben. Wir hätten kein alternatives psychiatrisches Behandlungskonzept, habe ich mal in einem offenen Brief an den LVR Psychiatrieboss Kulenkampff geschrieben, unsere Gemeinschaft sei das einzige „Heilmittel“. Nicht so umfassend, wie es der italienische Psychiater Basaglia postulierte, aber es zeigte sich immer wieder mal: Freiheit heilt."

Über diesen Podcast

Die Entwicklung der deutschen Psychiatrie und teilweise auch der Nachbarländer der letzten 45 Jahre wird subjektiv und kritisch besprochen und bewertet. Gibt es tatsächlich (ausreichend) Respekt und Augenhöhe gegenüber den Menschen mit psychischen Erkrankungen? Was geben die Strukturen des Gesundheits- und Sozialbereichs, in denen Psychiatrie stattfindet her? Welche Chancen und Hindernisse bieten sie? Bereichert mit Interviews von Insidern aus den verschiedensten Perspektiven.
In jeder Folge wird zudem ein Song aus der Rock- und Popgeschichte gespielt und der jeweilige Künstler vorgestellt. Durch die einzelnen Folgen führt Euch Klaus Jansen-Kayser, selber ein langjähriger Akteur und Kenner der Psychiatrie-Szene. Bis zur 13. Episode war Christian Gredig der Autor des jeweiligen Musikteils. Seit der 14. Episode hat Bernd Nigbur diesen Part übernommen.

Das Jingle dieses Podcast wird auf einem Dachsophon gespielt und stammt von dem Kölner Musiker Bernd Keul https://youtu.be/MdVSw5Ck89o

Das Cover-Bild ist ein Werk der Künstlerin Mageaux, die aus den Südstaaten der USA stammt und seit einigen Jahren in Köln lebt. Der Titel lautet "Cognitive Behavioral Therapy" / Mai 2020 / Acrylfarbe & Sprühfarbe auf gebleichter Leinwand. 100 x 100 cm und zeigt, dass der Genesungsfortschritt nicht immer linear ist.
https://twitter.com/mageauxdesigns https://www.youtube.com/channel/UCCRY4v_BfwqThHoyCCYEFtw/featured

von und mit Klaus Jansen-Kayser

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