Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Haus 5 - nie wieder für immer -

Liebe Hörer:innen,

Ich freue mich sehr über mein neues Cover Bild: ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Herzliche Grüße Klaus Jansen-Kayser

Haus 5 - nie wieder für immer -

Eindrucksvolle Exkursion mit einer Gruppe von Zeitzeug:innen in das psychiatriegeschichtliche Dokumentationszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland in Düren.
Musikbeitrag Bernd Nigbur befasst sich mit M3: Mary Weiss, Melanie und MC 5.

"Nie wieder ist jetzt"

Es war in den 1980’ern, vielleicht 1983/84. Damals war ich in der ersten Tagesklinik in Köln beschäftigt. Davon habe ich bereits schon mal das eine oder andere Erlebte erzählt. Bei der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Debatte, die eben sehr dominiert wird von den Vorstellungen und der Sprache und Begriffen der rechtsextremen Szene in Deutschland, deren Themen sind Hass auf Migranten, auf Minderheiten auf Politiker der Regierung. Da fiel er mir ein: Herr Z punkt.
Wahnsinn ist das stille Widerstandskämpfen, hat Paul Celan einmal geschrieben. Bernd Nigbur stellt in seinem Beitrag heute Moondog vor, The Viking Of Sixth Avenue.

Der König hat gesprochen

In dieser Episode gebe ich einen kleinen Einblick, wie unser Podcast entsteht und gebe einen Ausblick auf einige Themen des Podcast in 2024.
Im Musikbeitrag lenkt Bernd Nigbur seinen und Euren Blick auf das Erscheinen des neuen Albums von The Smile.

# Zurück und nach vorne #

Das Wort Frieden klingt immer mehr wie eine Bedrohung, wie eine Missachtung derjenigen, die behaupten „Krieg sei jetzt das Mittel der Wahl Frieden zu schaffen - sozusagen Krieg ist der neue Frieden“.
Wir werden 70. Ein respektables Alter für den Podcast, aber was heißt das schon. I'm Younger than that now, wie Bob Dylan sagt.

#Demokratie und Fortschritt wagen#

Aber in der Zeit war es in der Psychiatrie noch Lichtjahre weg von irgendeiner Mitsprache oder gar Mitgestaltung der therapeutischen Bedingungen oder bei der Medikamenteneinnahme. Diese Bewegung stellte sich erst in den 1990’er ein, mit dem eher provokativen Slogan „Ver-handeln statt be-handeln“, was bereits in der Psychiatrie Enquete Debatte im Bundestag 1975 „Konzept kooperativer Partnerschaft“ (zwischen Arzt und Patient) genannt wurde und sich als Gegenmodell zur vorherrschenden „autoritativ überhöhten Arztrolle“ verstand.
Und dann später: Vielfach, vielfältig und schnell verbreitete sich der Trialoggedanke. So entstanden bundesweit viele solcher „Psychoseseminare“ an Volkshochschulen, in Universitäten und anderen Orten in der Kommune.
Ich möchte allerdings ein weiters Trialog gestütztes und wichtiges Handlungsfeld hinzufügen: die trialogische Mitgestaltung und Mitbestimmung in sozialpsychiatrischen Einrichtungen und Kliniken. Damit meine ich die Beteiligung der Nutzer:innen an alltäglichen und grundsätzlichen Entscheidungen im sozialpsychiatrischen Betrieb, in den kleinen und großen Institutionen.
Im Musikteil geht Bernd nochmals auf die Rolling Stones ein, kurz. Dann erzählt er Euch von den "The Feelies", die auch viel mit Lou Reed zu tun haben.

Kraft der Peers

Es sind wieder mal sehr brutale Zeiten, die "politische Erderwärmung" schreitet gnadenlos voran. Im Bereich des Steuerbaren stelle ich ein neues gemeindepsychiatrisches Projekt vor, was es verdient auch in dieses Zeiten erwähnt zu werden: "Peergestütztes Clearing". Lasst Euch in einem Gespräch zwischen den Macher:innen und mir erklären, was das ist.

Im Musikbeitrag stellt Bernd Nigbur das neue Rolling Stones Album "Hackney Diamonds" vor, leider ohne aktuelle Songs einspielen zu dürfen. Schade.

"Augen:blick"

In der heutigen Episode lenke ich einen kurzen Augenblick lang die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Zeit in der Psychiatrie, von der die einen zu viel haben und die anderen sich zu wenig nehmen.
Im Musikteil stellt Bernd Nigbur den kürzlich verstorbenen Musiker Gary Wright und den französischen Komponisten Pierre Henry vor.

# drinnen und draußen zusammen denken# Teil II

Friedhelm Schmidt-Quernheim hat 40 Jahre als Mitarbeiter und wichtiger Akteur in und mit der Forensischen Psychiatrie in Deutschland verbracht. Er hat mit einem breiten Spektrum verschiedene Schnittstellen dort bearbeitet. Er sagt mir: "Wie du merkst liegt, liegt mir sehr daran, den Blick auf die Möglichkeiten und auf konkrete Lösungsmöglichkeiten in der Praxis zu richten." Und genau das beschreibt er an vielen Stellen in unserem Gespräch. Er reflektiert seine Beweggründe, seine Prägung, die ihn in das Thema forensische Psychiatrie hineinbrachten und erinnert sich auch an seine Anfangszeit in der forensischen Psychiatrie im Haus 5 der LVR Klinik Düren, seine ersten Erfahrungen mit den Patienten und den alteingesessenen Kolleg:innen, skizziert den Veränderungsprozess im Maßregelvollzug der 1980'er Jahre von einer "Subkultur zu einer therapeutischen Kultur". Er beschreibt seine Bemühungen später im NRW Ministerium Einfluss auf das konkrete Lösungspotential vor Ort zu nehmen.
Musik: Neil Young "Old Man" und Bob Dylan u.a.live Madison Square Garden, New York "My back Pages"

# drinnen und draußen zusammen denken #

Friedhelm Schmidt-Quernheim hat 40 Jahre als Mitarbeiter und wichtiger Akteur in und mit der Forensischen Psychiatrie in Deutschland verbracht. Er hat mit einem breiten Spektrum verschiedene Schnittstellen dort bearbeitet. Er sagt mir: "Wie du merkst liegt, liegt mir sehr daran, den Blick auf die Möglichkeiten und auf konkrete Lösungsmöglichkeiten in der Praxis zu richten." Und genau das beschreibt er an vielen Stellen in unserem Gespräch. Er reflektiert seine Beweggründe, seine Prägung, die ihn in das Thema forensische Psychiatrie hineinbrachten und erinnert sich auch an seine Anfangszeit in der forensischen Psychiatrie im Haus 5 der LVR Klinik Düren, seine ersten Erfahrungen mit den Patienten und den alteingesessenen Kolleg:innen, skizziert den Veränderungsprozess im Maßregelvollzug der 1980'er Jahre von einer "Subkultur zu einer therapeutischen Kultur". Er beschreibt seine Bemühungen später im NRW Ministerium Einfluss auf das konkrete Lösungspotential vor Ort zu nehmen.
Musikbeitrag Bernd Nigbur mit den Songs „Maggie’s Farm“ und „Things Have Changed“ Bob Dylan

"Arsch huh, Zäng ussenander"

Diese Sommerpausen-Episode nimmt die derzeitige gesellschaftliche und politische Stimmung in unserer Republik zum Anlass, daran zu erinnern, den Allmachtsphantasien der AFD und offenbar auch vieler Menschen in unserem Land endlich wieder etwas entgegenzu setzen. Europa abzuschotten, Minderheiten für wirtschaftliche und soziale Entwicklungen verantwortlich zu machen, Klimawandel leugnen, sich die Welt so einfach wie möglich zu malen, erinnert verdammt daran an längst hinter uns gelassene gedachte Zeiten. Also heißt es wieder mal "Arsch huh, Zäng ussenander", wach bleiben gegen Rassismus und Neonazis.
Bernd Nigbur erinnert in seinem Beitrag heute an Jane Birkin, und er findet deutliche Worte für die derzeitige Wiederkehr von Spießertum und Engstirnigkeit in unserer Gesellschaft.