Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Revolution oder Reform: Die Psychiatrie im Umbruch

Liebe Leute, am kommenden Freitag, 6.2.2026 um 20:00 erscheint eine neue Podcastepisode mit dem Teil 2 meines Gesprächs mit Lothar Gothe und Rainer Kukla. Ich habe auch ein neues Cover Bild eingeführt:ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Revolution oder Reform: Die Psychiatrie im Umbruch

In dieser Folge nehme ich euch mit in ein außergewöhnliches Gespräch zwischen zwei prägenden Persönlichkeiten der Psychiatrie-Reform: Lothar Gothe und Rainer Kukla. Gemeinsam blicken wir zurück auf hitzige Auseinandersetzungen, überraschende Allianzen und die gesellschaftlichen Kräfte, die den Wandel in den 1970'er und 1980'er Jahren vorantrieben. Wir sprechen offen über persönliche Konflikte, den langen Atem für Veränderungen und die Rolle von Wut und Mut im Kampf gegen alte Strukturen. Ich reflektiere, wie sich aus Konfrontation Respekt und sogar Zusammenarbeit entwickeln kann – und warum diese Debatten heute aktueller sind denn je. Eine Folge, die zeigt: Echte Veränderungen beginnen oft im Streit, führen aber manchmal zu gemeinsamer Stärke.

Im Musikbeitrag stellt Bernd Nigbur eine Performance von Dezember 2025 live aus dem Kolumba Museum in Köln vor.

Von Null anfangen geht nicht mehr

Nun, 2026 habe ich 16 Podcast-Episoden geplant, wieder sieben Gesprächspartner:innen im Ohr, und eine Vielzahl von Themen. Einige Themen sind: Versöhnung von bitteren Kontrahenten im hohen Alter. Psychisch krank und obdachlos, was geht da? Biografien von in der Nazidiktatur deportierten und ermordeten Menschen unter den Stolpersteinen; gibt es eine sozialpsychiatrische Weiterentwicklung nach dem Jahrhundertwerk „Psychiatrie-Enquête? Die Bewegung der Psychiatrie-Erfahrenen, Stand 2026. Es gibt einige Verlage, die Bücher über psychiatrische Themen veröffentlichen, welche Rolle spielte der „Psychiatrie Verlag“ in der Reformbewegung? Peers, Genesungsbegleiter:innen, Psychiatrie-Erfahrene überhaupt, Geschichte und Erfolg dieser Bewegung. Geschichte(n) von mir. 20 Jahre klinikfrei und was tragen mehr als 90 Lebensjahre zu einer menschlichen Psychiatrie bei?

Und es gibt einen kleinen Ausschnitt aus einer früheren Podcast Episode im Gespräch mit Sonja Schlegel: Sich mit den Gräueltaten der NS Diktatur, also der Ermordung der Jüdinnen und Juden, und der Gruppe von Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen und körperlichen Behinderungen, der Sinti und Roma und sogenannter "Asoziale" zu beschäftigen, ist schwer auszuhalten. Will man/ frau jedoch die Entwicklung der Psychiatrie in Deutschland nach 1945 bis heute verstehen ist es unausweichlich. Es hilft dabei sensibel und wachsam zu bleiben für die ethischen Fragen, der Machtdynamik und den massiven persönlichen Einschränkungen, die in der Psychiatrie bis heute wirksam und die großen Fragen sind.

Bernd Nigbur stellt erneut mehrere sehr bekannte Songs vor, er sagt:: 2026 beginnt mit Sturm und Schnee und allerhand Ungewittern unterschiedlicher Art, der Blick in die Zukunft ungewiss bis trüb. Daher blicke ich einfach mal 60 Jahre zurück ins Jahr 1966.

Sozialpsychiatrie: ""Wandel - Hoffnung - Realität - Zukunft""

In dieser Episode spreche ich ein weiteres Mal mit Arnd Schwendy und Christiane Haerlin über deren bewegte Erfahrung beim Aufbau der deutschen Sozialen Psychiatrie. Wir diskutieren, wie regionale Budgets, innovative Hilfestrukturen und der Einsatz von Genesungsbegleiter:innen, aber auch das Thema Arbeit die Versorgung psychisch erkrankter Menschen prägen – und wo trotz aller Fortschritte die Kooperationsprobleme zwischen Institutionen nach wie vor eine Herausforderung bleiben.

Außerdem werfen wir einen Blick auf die Rolle von Musik in ihrem Leben und wie Jazz, Blues und Barockmusik neue Perspektiven eröffnen können. Mit persönlichen Einblicken, kritischen Rückblicken und einem musikalischen Ausklang lade ich euch ein, weitere Geschichten von Vielschichtigkeit und Wandel, Widerstand und Aufbruch in der Psychiatrie zu erleben.

Bernd Nigbur spricht über Miles Davis, Bob Dylan, The Rolling Stones und Howlin Wolf und spielt auch deren Musik.

ZWEI Leben für EINE Reform

In dieser Folge spreche ich mit Christiane Haerlin und Arnd Schwendy über die bewegte Geschichte der Psychiatrie-Reform in Deutschland – von den Anfängen in den 1960ern bis zu den Herausforderungen und Erfolgen der Gegenwart. Wir tauchen ein in persönliche Erlebnisse, internationale Einflüsse aus England und Italien und diskutieren, wie gesellschaftliche Strömungen und politische Debatten die Entwicklung der Sozialpsychiatrie geprägt haben. Gemeinsam blicken wir auf die Rolle von Arbeit und Inklusion, auf Widerstände und Durchbrüche, und darauf, wie sich die Praxis über Jahrzehnte verändert hat. Wer verstehen will, wie viel Leidenschaft, Konflikt und Vision in der deutschen Psychiatrie stecken, ist hier richtig. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch fünf Jahrzehnte voller Umbrüche, Engagement und echten Geschichten aus dem Herzen der Reformbewegung.
Bernd Nigbur schlägt einen großen Bogen von DVOŘÁKS Symphonie 'Aus der neuen Welt' über STEPPENWOLF, RADIOHEAD, SMALL FACES bis zu Bachs Weihnachtsoratorium, großartig.

= Johanna Winterfeld-Sanoh, Ergotherapeutin Teil 2 =

In dieser Episode spreche ich mit meiner langjährigen Kollegin über ihren Weg durch die sozialpsychiatrische Arbeit – von den Anfängen in der ersten unabhängigen Tagesklinik bis hin zu neuen beruflichen und persönlichen Abzweigungen. Wir tauchen ein in die Dynamik multiprofessioneller Teams, die Entwicklung der Ergotherapie und die Herausforderungen, die der Wandel im Gesundheitswesen mit sich bringt. Persönliche Anekdoten, Erfahrungen mit Patienten und die Bedeutung von Beziehung und Kreativität in der Psychiatrie stehen im Mittelpunkt unseres Gesprächs. Außerdem geht es um die Suche nach Ausgleich – sei es durch das Färben mit Pilzen, Musik oder Bewegung. Wer neugierig ist, wie sich Berufswege und Leidenschaften verbinden lassen, bekommt hier inspirierende Einblicke in gelebte Veränderung und Engagement.

Der 2. Teil des Musikbeitrags von Bernd Nigbur bespricht ""The Gun" und "The Doors".

= Vom Basteln zur Befreiung: Die Kraft der Ergotherapie =

In dieser Folge spreche ich mit Johanna Winterfeld-Sanoh über ihren Werdegang als Ergotherapeutin und die bewegte Geschichte der Psychiatrie in Deutschland. Wir tauchen ein in die Entwicklung der Ergotherapie, diskutieren den Wandel von der Beschäftigungstherapie hin zu einem individuellen, kreativen Ansatz und reflektieren die Bedeutung von Biografiearbeit und Selbstwirksamkeit für Betroffene. Gemeinsam erinnern wir uns an prägende Zeiten in Düren, an Aufbruchsstimmung und gesellschaftlichen Wandel, und werfen einen ehrlichen Blick auf Herausforderungen und Erfolge. Wenn du wissen willst, wie handwerkliche und kreative Tätigkeiten Menschen helfen, wieder Freude zu empfinden und ihren Alltag zu gestalten, solltest du reinhören.

Im Musikbeitrag von Bernd Nigbur heute: Im WDR 3 läuft derzeit eine Aktion, in der Zuhörer Musikstücke wünschen kommen, die eine besonders intensive Wirkung auf die Betreffenden gehabt haben.
Sei es positiv oder negativ, therapeutisch allemal. Interessant zu erfahren, was die Zuhörer empfunden haben und unter Umständen auch immer wieder abrufen, wenn sie das entsprechende Musikstück hören. Hier die Beispiele:
Jennifer Juniper, Donavan.

Zeit, einfach

In dieser Episode nehme ich euch mit auf eine musikalische und gedankliche Reise rund um das Thema Zeit – von Seneca bis Bob Dylan – und verknüpfe diese Perspektiven mit der Entwicklung der deutschen Psychiatrie der letzten fünfzig Jahre. Gemeinsam mit meinem Gast Norbert Rüter aus Köln reflektiere ich, was die Psychiatrie-Enquete wirklich bewegt hat, wo Reformen gelungen sind und wo wir bis heute auf der Stelle treten.

Wir diskutieren, wie sich Versorgung, Bürokratie und gesellschaftliche Erwartungen verändert haben – und wo echte Fortschritte noch ausbleiben. Persönliche Einblicke und kritische Fragen begleiten unser Gespräch: Wie viel Reform hat die Psychiatrie wirklich erlebt? Was bleibt auf der Strecke? Und warum sind manche Türen bis heute verschlossen? Zum Abschluss wird es musikalisch und persönlich, wenn wir über Versöhnung, Lebenswege und die Kraft der Musik sprechen.

"Psychiatrie Reform von ganz unten"

In dieser Folge nehme ich euch mit auf eine spannende Reise durch fünfzig Jahre deutsche Psychiatrie – gemeinsam mit Norbert Rüther, Psychiater und engagierter SPD-Politiker. Wir sprechen über die bewegte Reformära der Achtziger und Neunziger, erzählen von mutigen Anfängen, politischen Auseinandersetzungen und den Menschen hinter den Veränderungen. Norbert gibt Einblicke in seine Erfahrungen zwischen Klinikalltag, politischer Bühne und gesellschaftlichem Wandel. Gemeinsam blicken wir auf Erfolge, Rückschläge und die Entstehung der sozialpsychiatrischen Versorgung in Köln. Wer wissen will, wie echte Veränderung entsteht und was uns bis heute antreibt, sollte reinhören!
Bernd Nigbur stellt im Musikteil die Band "Agitation free"

// Wie Psychiatrie in Deutschland sein sollte \\

Gespräch mit Thomas Bock.
Psychologischer Psychotherapeut, langjährige leitende Funktion an der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Hamburg-Eppendorf (UKE), u.a. Leitung einer Spezialambulanz für Psychosen und Bipolare Störungen sowie einer Krisentagesklinik, Mitbegründer der Psychoseseminare (mit Dorothea Buck) sowie diverser trialogischer Projekte in Versorgung, Lehre und Forschung und gilt als der Vater des Trialogs.

Aktuell kommentiert er eindeutig die unwürdige Debatte über ein Melderegister für Menschen mit psychischen Erkrankungen und macht sehr deutlich, an welchen Hilfen es wirklich mangelt, wir behandeln ausführlich das Thema Trialog und die Frage wo steckt die Reform der deutschen Psychiatrie derzeit und wie soll sie weiterentwickelt werden. Thomas Bock unterstreicht aber auch wie wichtig er die Fundamentalkritik des Bundesverbands der Psychiatrieerfahrenen hält. Ich persönlich finde den Teil unseres Gesprächs über seine Definition zur „Psychosefähigkeit“ des Menschen sehr spannend und wo er hervorhebt wie Menschen-verbindend unsere Fähigkeit ist irritierbar zu sein. Am Ende werdet ihr mitgenommen zu einem Fazit über die Reformbewegung der Psychiatrie, die Bedeutung von Musik in seinem Leben und eine (für mich) überraschende Neuigkeit was seine Herkunft betrifft.

Im Musikbeitrag stellt Bernd Nigbur zwei hibbelige junge Frauen von der Isle Of Wight vor, die sich WET LEG nennen, sehr erfrischende Stimmen.

# # Geschichte endet niemals # #

Dies ist eine Fortsetzung der letzten Episode, darin zwei weitere Stimmen im Rahmen der Abendveranstaltung „Würdigung 50 Jahre Psychiatrieenquête“ vom 2.6.2025 in Leipzig im Kupfersaal, nämlich Martina Heland-Graef für die Psychiatrie-Erfahrenen und Siegfried Haller für die Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Ihre eindrücklichen Schilderungen über ihre Zeit in und mit der Psychiatrie, der letzten 50 Jahre, ist eine sehr persönliche Zeitgeschichte.
Im Musikteil präsentiert Bernd Nigbur ganz großes Kino und Musik von Johann Strauss II (Sohn), die Seite an Seite spektakulär mit dem Weltall kommunizieren, sozusagen The last Walz, der letzte Walzer vor der Sommerpause 2025.