Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Liebe Leute, am kommenden Freitag, 6.2.2026 um 20:00 erscheint eine neue Podcastepisode mit dem Teil 2 meines Gesprächs mit Lothar Gothe und Rainer Kukla. Ich habe auch ein neues Cover Bild eingeführt:ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Transkript

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00:00:00: Es gab meine Untersuchungen, es ist lange her, darüber, welche Arten von Visionen und

00:00:06: akustischen Halluzinationen usw. eigentlich im historischen Verlauf von gehört werden.

00:00:12: Interessant.

00:00:13: Und das verändert sich.

00:00:14: Also, ich meine, das, was heutzutage Schizophrenie heißt, hat auch ein historisches Fundament.

00:00:21: Es ist sozusagen gesellschaftlich beeinflusst.

00:00:23: Und der Warn war also damals beim großen Ganzen relativ integriert.

00:00:29: Liebe Hörerinnen und Hörer, hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Episode des Podcasts

00:00:42: vom Wachsal in die Gemeinde. 50 Jahre deutsch-psicher Trieh mittlerweile.

00:00:46: Ja, wir sind wieder mal unterwegs und ich bin zu Gast bei Aldo Linearo.

00:00:51: Erst mal hallo und vielen Dank für dieses Treffen.

00:00:54: Aldo Linearo, du bist promovierter freier Sozialwissenschaftler, wobei ich dieses Doktor Paul

00:01:03: in NISO genau einordnen kann.

00:01:06: Ja, das ist der Doktor Titel der Kölner WISO-Fakultät.

00:01:10: Achso.

00:01:11: Das sind die Rerum, Politika-Rum, die politischen Dinge.

00:01:14: Aber eigentlich habe ich also Soziologie und dann notwendigerweise, weil das Tüoniso vorschreibt,

00:01:20: auch Volkswirtschaft studiert.

00:01:22: Ah, ja, verstehe.

00:01:23: Davon ist mir dann nicht mehr so viel übrig gelegen, aber...

00:01:26: Und daraus steht dann dieser Doktor.

00:01:30: Genau, ja.

00:01:31: Also die meisten Unis haben Soziologie an der Philosophischen, und dann hat der Doktor Filmen,

00:01:36: was ich ja auch lieber wäre.

00:01:38: Ja, da kannst du direkt diesen Übergang, du hast ja bei, der ist selbst mir im Begriff gewesen,

00:01:45: bei dem René König promoviert.

00:01:47: Ja, ich war sein letzter Doktor Rand.

00:01:50: Ach ja.

00:01:51: Und der war ja auch hier in Köln, aber auch weiter, ob er hinaus ja auch für seine Sachen...

00:01:57: Das war eine internationale Nummer, ne?

00:01:59: Ja.

00:02:00: Der war ja in der Immigration, ist 1937 nach Zürich gegangen, hat sich da sehr mühsam als Immigrant

00:02:06: mit Lehraufträgen und kleinen Zeitschriften aufsetzen durchgeschlagen und bekam dann als

00:02:13: Nachfolger von Leopold von Wiese, ich weiß nicht genau, 50, 51 oder so, den Kölner Lehrstudien,

00:02:20: und war dann neben Adorno einer der großen Figuren der deutschen Soziologie.

00:02:26: Die beiden haben sich auch öfter gezopft, weil sie durchaus unterschiedliche Vorstellungen

00:02:34: von Soziologien hatten.

00:02:36: Und da ich ja nochmal hier geboren bin und aus vielen biografischen Gründen auch hier geblieben bin,

00:02:42: habe ich dann halt Studiatie und bei König gehört und auch bei ihm promoviert.

00:02:50: Und du hast mit, ich habe das gelesen, deine Dissertation der Titel lautete Drogen und

00:02:58: soziokultureller Wandel.

00:03:00: Genau.

00:03:01: Vor gefühlten 100 Jahren.

00:03:04: Nein, genau 50.

00:03:06: Genau 50.

00:03:08: Also der Abschluss, 75 habe ich promoviert.

00:03:12: Und der Titel kommt natürlich, viele Dissertationen entstehen ja aus den eigenen lebenswöhnlichen

00:03:18: Zusammenhängen.

00:03:20: Und ich war damals durchaus ein Pothet und in so einer Szene integriert, in der man permanent

00:03:28: eigentlich kifftet.

00:03:30: Und ja, insofern habe ich dann daraus den Gedanken einer Dissertation destilliert.

00:03:40: Etwas naiv teilweise, weil ich teilweise die Vorstellung hatte, dass diese weichen Drogen

00:03:49: und ihre leicht bewusstanzverändernden Wirkungen durchaus gesellschaftlich relevant haben könnten

00:03:56: und zu einer Veränderung von Gesellschaft beitragen könnten.

00:04:00: Und diese Vorstellung, die ist sicherlich etwas naiv, die hat mir auch in die König dann auch ausgetrieben.

00:04:06: Und ja, also von heute aus gesehen ist das, schreibt das den Drogen mehr Bedeutung zu, als sie jemals haben könnten.

00:04:14: Und wurde halt auf individueller Ebene durchaus gelegentlich verändernde Wirkungen haben könnten,

00:04:22: was die Welt sich angeht.

00:04:24: Ja, also wir kommen da später auch noch mal zu.

00:04:27: Mir ist klar geworden so ein bisschen auch in der Vorbereitung.

00:04:30: Du hast es ja aber auch gesagt, dass es ja eigentlich nur ein kleiner Teil oder ein Teil war mit dem du dich beschäftigt,

00:04:36: dass dieses Thema Drogen und kulturelle und soziokulturelle Handel ist, diese Dissertation.

00:04:44: Das ist aber dann, du, viele andere Sachen auch gemacht hast.

00:04:47: Über dich gerne auch mal so nochmal ein bisschen reden würde gleich, weil ich das spannend fand,

00:04:52: als ich das so gelesen habe, in dieser Welt damals ein bisschen reinzuschnüffeln.

00:04:59: Und da würde ich gleich gerne noch ein bisschen zufragen.

00:05:03: Und zwar hast du 1975 eben dann promuiert und bis seitdem aber auch freischaffender Sozialwissenschaftler.

00:05:13: Ja, in meinen biografischen Notizen steht immer freier Sozialwissenschaft.

00:05:19: Freier Sozialwissenschaft.

00:05:21: Und was heißt das faktisch?

00:05:23: Ich hatte nie eine Planstelle einer Uni, sondern immer nur Zeitverträge als Angestellter.

00:05:29: Und das Geld für diese Zeitverträge, also für die Projekte, die ich gemacht habe,

00:05:34: muss sich auch immer selber auftreiben.

00:05:36: Was dann faktisch heißt, dass man die Kunst des Antrags schreibt

00:05:42: bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und diversen anderen Institutionen mit der Zeit lernt

00:05:48: und da war ich, also nicht, dass alle Projekte, meine Projektanträge immer durchgegangen sind,

00:05:54: aber da war ich relativ erfolgreich mit der Zeit.

00:05:58: Aber das sind dann immer Forschungsprojekte, die eine Dauer von zwei Jahren hatten damals.

00:06:04: Später wurden es dann auch manchmal drei Jahre und ich habe das nie gemacht

00:06:09: und habe immer gesagt, was man in zwei Jahren nicht weiß, was man in drei Jahren auch nicht.

00:06:14: Von natürlich drei Jahre besser werden als zwei, irgendwie konnte ich mich dazu nie durchringen.

00:06:20: Und du hast das dann aber nicht nur alleine, sondern auch mit Kollegen oder Kolleginnen?

00:06:24: Ja, ich habe immer meine eigene Stelle beantragt, plus zwei Stellen meistens für Mitarbeiter.

00:06:33: Man kriegt dann nie zwei, war immer froh, wenn ich einen halb durchbekam,

00:06:37: aber dann habe ich halt schon jüngere Leute eingestellt, denen ich die Projekte gemacht habe.

00:06:42: Und mir ist dann nochmal eingefallen, dass sogar bei einem dieser Projekte,

00:06:46: ich weiß nicht genau, wer ich ist, das war, und wir uns auch unsere Wege sich auch gekreuzt haben,

00:06:51: nämlich in der Dürrener Psychiatrie.

00:06:53: Genau, ja, das war dieses große Projekt, bei dem auch der Frank Matta-Kast eine Rolle gespielt hat,

00:06:59: über Alkoholismus.

00:07:02: Ich habe ja nicht noch mit den illegalen Drogen angefangen, sondern auch mit den legalen,

00:07:07: also wissenschaftlich gesehen jedenfalls.

00:07:10: Und da ging es um die Karriere von Alkoholikern, und wir haben damals in Dürren die Patient*innen,

00:07:17: die stationär da waren, interviewt und dann möglichst katamnästisch ein Jahr später zu Hause nochmal,

00:07:25: um nachzuzeichnen, wo die Entwicklung gewesen ist.

00:07:29: Da gibt es diverse Bücher und Publikationen, die sind aber alle so als,

00:07:34: dass ich mich nie mal wirklich daran erinnere.

00:07:37: Und es ist auch kein Thema, mit dem ich mich danach noch irgendwann beschäftigt hätte.

00:07:42: Also, das kann ich genau genommen nichts sagen.

00:07:45: Aber nur so in Klammern gesprochen, das war ja die Zeit so Mitte der 70er-Jahre,

00:07:50: oder im Ende der Mitte der 70er-Jahre ungefähr, wo wir jetzt sprechen.

00:07:56: Da waren ja gerade in so einer Psychiatrie, die sie so versuchte, fortschrittlicher zu bewegen.

00:08:03: Ich bin da sehr vorsichtig mit diesem Begriff, aber die zumindest damals aus dieser Motivation herauszuholen,

00:08:09: weil man so gehandelt hat, dass sich da einige Soziologen eingefunden haben.

00:08:13: Ja, der Kuhlenkampf, da war ja damals Landesrat.

00:08:16: Und also die erste Klinik, die ich überhaupt kennengelernt habe, war Grafenberg in Düsseldorf.

00:08:21: Und da habe ich meine Diplomarbeit geschrieben.

00:08:23: Weil eben durch Vermittlung von Kuhlenkampf, der dann einen kurzen Rat zur Rene König hatte,

00:08:30: also ich weiß nicht, wer wen dazu erst angesprochen hat, aber die beiden jedenfalls waren die Matadoren,

00:08:36: gewissermaßen die dafür gesorgt haben, dass in Grafenberg ein halbes Dutzend jüngere Leute mit ihren Diplomarbeiten rumliefen.

00:08:45: Ach, da auch schon ist das so, richtig?

00:08:47: Ja, ja, ja, ja, ja, ja. Das war erst Grafenberg, dann Dürren.

00:08:51: Und eine Zeit lang hatte ich auch noch ein Brauweiler, glaub ich,

00:08:54: hatte ich drei Stüssel von deutschen Psychiatrie.

00:08:58: Und die passen aber nicht auf jeweils auf den anderen.

00:09:01: Nein, nein, nein, nein.

00:09:03: Also, den Dürmer Schlüssel habe ich am längsten beheißen, das ist mal angeschrieben worden.

00:09:07: Ich habe immer gedacht, Vorsitz, aber man weiß ja nie.

00:09:12: Könnte immer nützlich.

00:09:14: Ja, auf jeden Fall.

00:09:15: Aber man war ja dann oder du warst ja dann auch nicht in der Institution angestellt, sondern wirklich, das war ein Projekt.

00:09:23: Ja gut, aber im Rahmen der Projekte war ich dann immer an der Uni angestellt, die mein Gehalt verwaltet hat und so weiter.

00:09:31: Von daher war ich immer angestellt auf Zeit.

00:09:34: Ja, ja, ja.

00:09:35: Und was ich ja interessant fand, also weil ich ja auch viele in diesem Podcast über diese Anfänge,

00:09:43: so der Reformbewegung der Psychiatrie erzähle, davon erzähle,

00:09:47: dass ja auch in Angestellt eben Soziologen waren.

00:09:51: Also ich weiß nicht, wie das in Allerheimpsychiatrien war, aber ich weiß es noch von Dürren.

00:09:55: Da waren ja gleich mehrere, also jetzt nicht im Sinne von Forschung,

00:09:58: sondern wirklich auf einer Planstelle, wie auch immer man das nennt.

00:10:02: Ja, genau, Dieter Fischer.

00:10:04: Genau, Dieter Fischer fällt mir dabei natürlich ein, Robert Bodzer.

00:10:08: Und ich weiß es nicht bestimmt noch einige mehr, aber das war ja so ein echter Trend.

00:10:15: Aber die waren dann in einer ganz anderen Funktion da, als jetzt du da warst.

00:10:20: Ja, die waren integriert in den klinischen Abläufen.

00:10:24: Das kann man von mir nicht sagen.

00:10:26: Ich war Besucher quasi, zwei Schlüssel, aber eben doch Besucher hatte ja auch eine Zeit lang in Dürren,

00:10:32: ein Büro eben für die Interviews, aber auch, weiß ich, wie lange das dauert.

00:10:37: Und danach waren wir dann unterwegs im gesamten Einzugsbereich der Klinik,

00:10:42: um die Leute nachträglich nochmal Katanästnäßig zu machen.

00:10:45: Und dann meistens auch zu Hause dann oder?

00:10:47: Ja, ja, ja.

00:10:48: Also das hat mich dann auch in das eine oder andere Gefängnis gebracht.

00:10:52: Ja, ja, ja.

00:10:54: Aber meistens zu Hause.

00:10:56: Ja, also das war ja so die Zeit, in den 70er Jahren, ich wollte da nur mal so kurz drauf zu sprechen kommen,

00:11:05: weil, wie gesagt, unsere Wege sich da kurz gekreuzt haben, später dann nochmal.

00:11:10: Aber ich fand das immer schon so interessant, so dieses, ja auch im Zusammenhang mit Klaus Kulikard, den ich ernähren kannte oder kenne.

00:11:21: War so dieses Fachgebiet, fand ich immer so ganz spannend.

00:11:24: Ja, Klaus hat mir Lehre gemacht als Forschung.

00:11:27: Ich zwar auch Lehre gemacht habe in meinen 30ern jedenfalls, aber immer so per Leerauftrag.

00:11:33: Das ist immer noch ein Passant.

00:11:35: Und das habe ich gerne gemacht, aber am liebsten habe ich immer damals an der Schreitmaschine heute am Rechner gesessen und die Festplatte voll gekritzt.

00:11:45: Das ist eigentlich mein Arbeit.

00:11:48: Ich will jetzt doch mal auf dieses Thema Drogen oder nochmal zu sprechen kommen.

00:11:54: Und zwar auf dem Hintergrund deiner Beschäftigung ja schon vor langer Zeit, aber eben nicht seitdem durchgehend,

00:12:00: eben damals damit begonnen.

00:12:03: Wenn du das trotzdem heute betrachten würdest, und zwar so diese gesellschaftliche und auch kulturelle Bedeutung,

00:12:10: würdest du sagen, dass sich das in dieser kurzen Zeit verhindern lassen,

00:12:15: also ich sage mal plattkartiv 1975 oder jetzt mit Kanabis-Legalisierung.

00:12:22: Ja, ich meine diese, also Legalisierung kann man es ja nicht nennen.

00:12:25: Es ist eine sehr vorsichtige, partielle Liberalisierung, die ihrer Vorsichtigkeit wegen auch ziemlich bescheuert ist.

00:12:34: Genau genommen, und das können wir vielleicht nachher nochmal erörtern.

00:12:38: Also das ist ja schon ein Indiz dafür, dass sich was verändert hat.

00:12:42: Und also unter den Jugendlichen, unter 25 glaube ich, ist Kanabis heute eine durchaus verbreitete Droge,

00:12:51: während in meiner, also als ich so alt war damals, war es schon eher subkulturell.

00:12:58: Ja, ja, ja, klar.

00:13:00: Während heute ist es schon sehr geläufig und nicht noch Kanabis natürlich,

00:13:05: sondern auch noch eine Fülle von anderen Drogen.

00:13:07: Viele auch, die es damals noch ganz gab, die ganzen chemischen Sachen.

00:13:11: Die ja teilweise wirklich auch gefährlich sind, wenn man nicht aufpasst.

00:13:16: Aber das gilt für alle Drogen, Solardosis, Fazitvenenum, nur die Dosis macht das Gift,

00:13:22: Altersproof von Paracelsus, das gilt für alle Drogen, die nur legal oder illegal sind.

00:13:29: Und also es hat sich auf der rechtlichen Ebene nur wenig verändert natürlich,

00:13:34: mit Kanabis ist zwar ein kleines Beispiel, aber doch ein sehr, wie gesagt, ein sehr vorsichtiges.

00:13:42: Und also rechtlich hat sich nicht so viel verändert.

00:13:46: Aber in der Gesundheitspolitik hat sich schon einiges verändert, gerade in Bezug auf Hachdedrogen.

00:13:53: Also früher, ebenso in den 70ern, war klar, war es so junky, oh, so ist es junky.

00:14:00: Also wenn man einmal an der Nadel hängt, dann bleibt man auch da dran.

00:14:05: Und dann gab es gelegentlich, also vor allem so aus der Szene der Sozialarbeiter*innen,

00:14:12: die Überlegung, man müsste doch mit den Leuten anders umgehen können.

00:14:17: Und dann gab es halt Methadone als Substitut.

00:14:21: Was, wenn man Methadone-Stadtheroiden nimmt, einem schon ermöglicht, gesundheitlich besser klarzukommen.

00:14:32: Und auch ermöglicht möglicherweise im Arbeits- und Sozialleben besser klarzukommen.

00:14:40: Also das Stichwort, das sich in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, ist ja harm reduction, die Reduktion von Schäden.

00:14:47: Und vor dem Hintergrund Methadone, oder inzwischen gibt es ja auch diese Druckräume gelegentlich in vielen Städten,

00:14:56: wo man unter Aufsicht und beobachtet und in einer sehr klinischen und sehr unangenehmen Atmosphäre,

00:15:04: also gar nicht im Vergleich zur Alkohol, ich fand das immer mit Alkohol,

00:15:08: dann gibt es die breiteste Bandbreite von der einfachen Pinte, wo quasi nur Alkis rumhängen, bis zerteuren war.

00:15:20: Also eine bandbreite Sondergleichen, die auch die Sozialstruktur abbildet.

00:15:26: Während bei den illegalen Drogen gibt es einfach nur so ein gekacheltes Verließ sozusagen,

00:15:32: wo man dann mal eben seinen Druck machen darf.

00:15:35: Was Indiz ist für eine gewisse gesellschaftliche Verachtung, finde ich.

00:15:41: Man könnte natürlich auch sagen, das soll die Abschreckung irgendwie symbolisieren?

00:15:48: Ja, das tut natürlich auch, außerdem soll es die öffentliche Ordnung gewährleisten,

00:15:54: dass die Leute eben nicht auf dem Neumand rumhängen, sondern was sie dann trotzdem tun natürlich.

00:15:59: Also es hat sich rechtlich nicht viel von der sozialarbeiterischen Herangehensweise einiges verändert

00:16:08: und von der kulturellen Bedeutung hat sich möglicherweise auch ein wenig verändert,

00:16:15: was man gar nicht Liberalisierung nennen könnte, sondern eher so, dass, wie soll ich es sagen,

00:16:22: also der Rausch ist einerseits ein Tabu, weil damit selbst mit dem Verlust von Selbstkontrolle verbunden ist

00:16:29: und Selbstkontrolle ist dietugend in die industrialisierten Gesellschaften,

00:16:35: aber andererseits ist es zu manchen Gelegenheiten und nicht nur Karneval,

00:16:42: auch Wochenende oder gelegentliche Feiern, ist es ja durchaus angesagt,

00:16:47: dass man auf kontrollierte Weise seine Selbstkontrolle verliert.

00:16:51: Man darf das schon mal bei den richtigen Gelegenheiten an den richtigen Orten,

00:16:56: aber man muss schon, und das ist der Kontrollaspekt, dann wieder darauf achten,

00:17:01: dass man diesen Verlust der Selbstkontrolle auch selbst wieder einfangen kann,

00:17:06: dass das keine Permanenz wird. Das ist dann, dann gerät man ins soziale Abseits.

00:17:12: Also von daher, es gibt Veränderungen und es wird wahrscheinlich auch weiter Veränderungen geben.

00:17:19: Sie gehen auch bazieren in die richtige Richtung, aber nie weit rufig.

00:17:24: Ja, ja. Also ich nehme dem schon, dass du, das müssen wir nicht vertiefen,

00:17:30: aber dass du schon auch alleine unter dem rechtlichen Rahmen oder im rechtlichen Rahmen

00:17:35: da schon auch einiges an, wie sagt man, an Liberalisierung, mehr Liberalisierung sehen,

00:17:43: gerne sehen würdest. Ja, ja, ja. Also seitdem Nixon den War on Drugs ausgerufen hat,

00:17:51: ist man sich in der Sozialfenschaft eigentlich unisono einig,

00:17:55: dass das ein völlig idiotisches Unterfangen ist.

00:17:58: Das ist ein Krieg, den man nicht gewinnen kann, sondern der eigentlich nur Verlierer produziert,

00:18:03: weil jede Illegalisierung treibt die Leute auf den Schwachsmarkt notwendigerweise.

00:18:09: Schwachsmarkt heißt, kein Mensch weiß mehr, was drin ist in der Droge, die man konsumiert.

00:18:15: Die Preise werden dann auch relativ beliebig und das hat dann eben die gesamte Drogenkriminalität

00:18:22: und Beschaffungskriminalität zur Folge, plus Gefängnisse.

00:18:28: Also in den Staaten sitzen 100.000 von Leuten nur wegen Drogen im Gefängnis

00:18:34: und wenn man das andershandhabte, könnte man nicht nur eine Menge Geld sparen,

00:18:39: sondern auch eine Menge an Verlust von Sozialkapital und dem ruinieren von biografischen Verläufen.

00:18:48: Da könnte man sich alles sparen.

00:18:50: Also wie gesagt, sozialwissenschaftlich ist eigentlich seit mindestens 30, 40 Jahren, da stehe ich überhaupt nicht alleine,

00:18:58: sondern das ist tatsächlich weitgehender Konsens, steht fest, Illegalisierung ist sinnlos und hat hohe Kosten.

00:19:10: Entschuldigung.

00:19:12: Ja, was noch nicht unbedingt heißt, dass man es bediebig legalisieren könnte.

00:19:16: Bei Drogen schon, einerseits jede Droge kann gefährlich sein,

00:19:21: aber es gibt welche, die sind prinzipiell weniger gefährlich als andere.

00:19:26: Ja, aber ich meine, noch mal das Beispiel Alkohol, die USA haben es ja zwischen 1920 und 1933 versucht mit der Prohibition.

00:19:36: Was hatte es zur Folge?

00:19:38: An jeder Straßenecke gab es einen Speak Easy, wo man eben schwarzmarktmäßig Alkohol konsumieren konnte.

00:19:44: Der wurde illegal gebrannt und war mir nicht tödlich.

00:19:47: Und 1933 haben sie mal angesehen, dass das der falsche Weg war.

00:19:52: Das gilt für die anderen Drogen genauso.

00:19:54: Aber es ist ja interessant, das nochmal so zu hören, jetzt auch zu einer fundierten Betrachtung heraus,

00:20:03: weil das ist ja, wenn man weiter davon weg ist sozusagen, im Volk würde man ja diese Betrachtung niemals heranziehen,

00:20:14: dass man überhaupt die Drogen gleichstellt, auch mit Alkohol.

00:20:21: Aber das finde ich noch mal interessant zu hören.

00:20:24: Ja, also so in der normalen Betrachtung, wenn man das so sagen kann, gilt Alkohol gar nicht als Droge.

00:20:31: Sondern das ist Alkohol, das ist eben Alkohol und das ist kulturell und sozial integriert.

00:20:39: Und das schon seit, was ich seit 2500 Jahren, ja, die Griechen hatten schon Wein und die Römer hatten schon Wein.

00:20:47: Ja, und die Hittite haben das erste Bier gebraut, also von daher,

00:20:51: und die Biersuppe war mittelalter die Mahlzeit der Armen.

00:20:55: Ja, aber das Putzige ist ja, ich weiß jetzt nicht, ob ich dir da vorgreife,

00:21:03: das Putzige ist ja, dass im hiesigen, im europäischen Mittelalter,

00:21:10: auch eine durchaus beliebte Geschichte gewesen ist.

00:21:14: Also die gute, ich würde sagen, von Dingen, der heute viele Esoteriker nachlaufen,

00:21:20: um irgendwelche unter ihrem Namen vermarkteten Rezepte zu brauchen, zu benutzen.

00:21:28: Also die hat das für einen Heilmittel gehabt, und parazell das ist halt Opium für einen Heilmittel gehabt.

00:21:35: Was beides richtig ist und beides auch heutzutage wieder gelegentlich untersucht und therapeutisch erprobt wird,

00:21:45: neben LSD auch.

00:21:50: Du hattest ein Kapitel oder ein Artikelkapitel, sagt man, in diesem Handbuch "Drogen in Sozial- und Kulturwissenschaftlicher Perspektive"

00:21:57: mit dem Titel "Kleine Soziologie des Rauchs" geschrieben, und ich wollte da mal kurz was draus zitieren,

00:22:04: weil mich das schon auch sprachlich sehr beeindruckt hat.

00:22:09: Also darin heißt es an einer Stelle, ich zitiere jetzt mal, "Rauschhaft der Erfahrung über das gesamte Spektrum

00:22:16: möglicher Zuschreibungen, was die eine Kultur als Heilige Extase und als Grundlage ihrer kultisch-religiösen Vorstellungen wahrnimmt,

00:22:25: gilt der Anderen als wahrenhaft und Anlass psychiatrischer Diagnostik.

00:22:30: Ein langer Prozess der Entdeckung formt die ambivalenten europäischen Einstellungen zum Rausch,

00:22:36: die entstanden zwischen Dionysos, dem ersten Pflanzer von Weinstöcken, du sagtest es gerade,

00:22:41: und dem durch ihn verkörperten Prinzip des trunken Rauschhaften und Prometheus, dem Feuerbringer,

00:22:48: und dem durch ihn verkörpertes Prinzip der aktiven Gestaltung, die gleichermaßen als finalen menschlicher Emanzipation,

00:22:55: wie als Hybris, interpretiert werden kann.

00:22:58: Die gesamte europäische Drogengeschichte lässt sich somit als ein Wettstrahl zwischen Dionysos und Prometheus lesen, Zitat Ende.

00:23:06: Meine Frage, abgesehen, wie kommt man auf eine solche gewaltige Analogie zur griechischen Mythologie,

00:23:15: kann diese beschriebene ambivalenz, die du da geschrieben hast, auch für so ein Thema psychische Erkrankungen oder Irreseingelten,

00:23:25: aber du kannst gerne auch noch mal auf diesen ersten Teil da eingehen.

00:23:30: Ich fand das schon, wie gesagt, hat mich beeindruckt, diesen großen Schwung mal eben über 2000 Jahre.

00:23:39: Ja, hat, glaube ich, zwei Antworten. Also zum einen habe ich vor auch ungefähr 50 Jahren, das ist 1976, glaube ich, erschienen,

00:23:49: die bahnberechende Untersuchung von Norbert Elias gelesen über den Prozess der Zivilisation.

00:23:55: Die hat dann '39 im Exil geschrieben und die ist dann erst '76 hierzulande überhaupt erst bekannt geworden.

00:24:03: Und das ist nun eine Untersuchung, die in langer historischer Perspektive vom Mittelalter bis zur Gegenwart versucht,

00:24:14: nachzuzeichnen, auf welche Weise Zivilisation entsteht und welche psychologischen Folgen sie hat.

00:24:25: Und also ohne jetzt Elias Großvertiefen zu wollen, obwohl ein Blick in diese beiden Bändel lohnt immer,

00:24:35: das hat mich gelehrt, dass man Gegenwart nur versteht, wenn man in die Vergangenheit guckt.

00:24:41: Das ist der eine Antwort, warum da Dionysos und Prometheus vorkommen.

00:24:47: Und die andere ist allerdings, dass es mich wundert, dass ich erst in diesem sehr späten Aufsatz diese Ambivalenz mit diesen beiden Figuren überhaupt benannt habe.

00:24:58: Ich glaube, das ist erstmalig, dass ich das so gemacht habe im Gegensatz zu allen vorherigen Aufsätzen,

00:25:05: obwohl das inhaltlich kein Aufsatz ist, der wesentliche neuen Sachen sagt aus meiner Perspektive.

00:25:12: Aber diese beiden griechisch-chromischen Figuren bezeichnen ziemlich genau die Schwankungsbreite, die da Rausch in der europäischen Geschichte hat.

00:25:25: Und von daher glaube ich, kann man sie wunderbar geben.

00:25:28: gegeneinander setzen, weil sich rivalisieren über 2000 Jahre miteinander. Mal Gewinne

00:25:34: eine, mal Gewinne andere. Aber sich rivalisieren sind auch beide immer da und beeinflussen

00:25:43: das kulturelle Leben in wechselnden Konstellationen. Ja, ja, ja. Soweit zu Drogen. Ja, der Wahn.

00:25:50: Also ich denke Wahn und Drogenkonsum teilen eine gewisse Gemeinsamkeit, weil sie beide

00:26:01: in der europäischen Geschichte aus einer nicht unbedingt zentralen, aber aus einer akzeptierten

00:26:09: und quasi konformen Stellung, die wir einmal hatten, ab Neuzeit, 17. Jahrhundert, ins

00:26:17: Abseits geraten und marginalisiert werden. Also ich habe das ja eben schon erwähnt,

00:26:25: Zildegard von Bingen und Paracelsus, die hatten mit Hanf und Opium überhaupt keine Probleme.

00:26:31: Und wenn man sich so anguckt, die religiösen Verzückungen, die manche Damen und gelegentlichen

00:26:40: Herren im Mittelalter gehabt haben, manche mit Stigmata, manche mit Marienvision und

00:26:49: solche Geschichten, das war ein Ausdruck der Religiosität der Zeit, während es heute

00:26:56: dafür psychiatrische Diagnosen gäbe. Also von daher, es gibt ja in den asiatischen

00:27:04: Steppenreligionen den Schaman, der seinen Körper verlässt und in die Lüfte. Und auch

00:27:13: da gibt es immer die Vermutung, dass es sich eigentlich im Schizophrene handelt. Kann man

00:27:18: so sehen, ist ja auch völlig legitim, diese Kulturen sehen es anders und sie haben ein

00:27:23: gutes Recht, das anders zu sehen. Nur in Europa gibt es zwar keine Schamanen, aber mit den

00:27:30: Beispielen, die ich eben erwähnte, aber durchaus ähnliche Phänomene, auch religiös grundiert,

00:27:36: kulturell integriert und bedeutsam für die Menschen damals. Während heute Marienvisionen

00:27:46: glaube ich relativ selten vorkommen und Stigmata auch. Also das Putzige ist ja auch, es gab

00:27:52: mal eine Untersuchung, es ist lange her, darüber, welche Arten von Visionen und akustischen

00:28:00: Anzulationen und so weiter eigentlich im historischen Verlauf von gehört werden. Und das verändert

00:28:06: sich. Also das, was heutzutage Schizophrenie heißt, hat auch ein historisches Fundament.

00:28:12: Es ist sozusagen gesellschaftlich beeinflusst. Ja, und der Wahn war damals im Großen und

00:28:21: Ganzen, also alles mit ein paar Körnchen Salz, aber im Großen und Ganzen relativ integriert,

00:28:27: der gerät dann wie gesagt mit der neuen Zeit und deren Vernunftbegriff ins Abseits, dann

00:28:34: bildet dann die Rückseite der Vernunft gewissermaßen. Und das gilt bis heute, denke ich. Also negativ,

00:28:43: kann man, also ich meine, primär negativ, ja, primär negativ. Es gab natürlich so in den

00:28:49: 60er und 70er, was ja eine Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs gewesen ist, so diverse Gedanken,

00:28:57: und Versuche, das anders zu sehen. Ich habe eben nochmal, also 61 ist das erschienen,

00:29:04: das Buch von Michel Foucault "Wahnsinn und Gesellschaft", wo er dick, dickes Buch,

00:29:11: wo er versucht, diese Beziehungen zwischen dem der Herrschenden Vernunft und dem Wahnbegriff

00:29:20: weiter zu setzieren und auszuführen. Und "The Wronged Elaine", das fielen wir auch eben

00:29:29: wieder mal in die Hände, also es sind alles sehr verstaubte Bücher, aber sie sind noch da,

00:29:36: hat damals eine Phänomenologie der Erfahrung geschrieben, die auch darauf abzielt Erfahrungen,

00:29:44: die man unter Drogenanwirkungen machen kann oder Erfahrungen, die man unter "in Wahn zuständenden"

00:29:51: Anführungszeichen machen kann, als ein Spezifikum von Erfahrung zu begreifen. Das ist ein bisschen

00:29:58: anders als die Vernunft des Alltags, aber das macht es ja nicht ungültig. Also daran lehnen

00:30:06: sich ja auch die heutigen Experten aus Erfahrungen. Das sind so eine Gruppe, die mit Psychiatrie-Erfahrungen,

00:30:16: aber als Experten zu begreifen lernen. Ja, ja, ja, ja. Ja, also 72 glaube ich, hat Charles Tartt in den

00:30:29: Staaten einen dicken Bruder herausgegeben, der mich damals sehr beeinflusst hat und der nicht

00:30:36: nur mich damals beeinflusst hat, der hat den Titel "All the states of consciousness" veränderte

00:30:42: Bewusstseinszustände und darunter fast Erdrogenkonsum, darunter fast Erhypnose, Meditation, Yoga,

00:30:51: glaube ich, das war es, oder noch irgendwas, oder jedenfalls auch Erfahrungszustände, die mit

00:30:59: Drogen gar nichts zu tun haben. Und es geht eigentlich immer nur darum, die gleich Wertigkeit

00:31:08: solcher Erfahrungen zu betonen und kulturell bedeutsam zu machen. Darum geht es. Das ist,

00:31:18: dann glaube ich, ein bisschen, hat sich wieder verlaufen im Großen und Ganzen. Also die Wertigkeit

00:31:24: zwischen diesen verändernden Zuständen von Fokob bis jetzt, das war so diese Erfahrung,

00:31:34: Experten aus Erfahrung, das war so ein EU-Projekt ursprünglich, die eben genau dieses erfahrenen

00:31:43: Wissen gewinnen wollte. Das fand ich oder finde ich so den fortschrittlichsten Aspekt der letzten

00:31:51: Jahrzehnte überhaupt. Das ist, wie du sagst, eine Wertigkeit dem auch gegeben. Das finde ich

00:31:57: schon sehr, sehr spannend. Das ist nicht einfach nur so ins gesellschaftliche Abseits als Kranenkraft

00:32:04: abzuschieben. Das ist ja also das 19. Jahrhundert hat da viel dazu beigetragen, das entdeckt die

00:32:12: Sucht, das entdeckt die Trunksucht. Das formt die Psychiatrie aus, jedenfalls in ihren Grundlagen.

00:32:20: Das hängt schon zusammen. Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhunderte Industrialisierung und da kommt es

00:32:31: auf Rationalität und Berechenbarkeit in besonderem Maße an. Da kann man solche altered states of

00:32:38: consciousness nicht brauchen. Man muss sie entweder wegsperren oder illiganisieren oder

00:32:44: wie auch immer, jedenfalls möglichst unbedeutsam machen. Was so die aktuelle politische Situation

00:32:53: angeht, ich meine, ich habe das ein bisschen provokant formuliert, fast gar nicht ob ich das so

00:32:56: wirklich meine, aber es geht mir darum auch nochmal zu beleuchten, ob jetzt in dem Krieg Russland

00:33:04: gegen die Ukraine welche Rolle da denn Drogen spielen, nicht dass das passiert ist, sondern

00:33:12: so jetzt um diesen unnämlich leidvollen Zustand auf beiden Seiten da auszuhalten. Also zugespitzt

00:33:19: habe ich es ja formuliert, wie gesagt, welche Drogen nimmt wohl Putin. Also das muss man ja

00:33:25: auch irgendwie aushalten, so ein Druck. Aber ich will das gar nicht so speziell oder speziell

00:33:31: jetzt auf diesen Konflikt da reduzieren, aber man weiß ja auch, dass während des Zweiten Weltkriegs

00:33:37: natürlich eine Menge an Drogen auch bewusst eingesetzt wurden für die Soldaten. Ja genau. Und

00:33:44: ich frag dich aber, ich weiß nicht ob du dazu überhaupt was sagen kannst, wie das heute ist

00:33:50: oder wie das zum Beispiel in so einem aktuellen Konflikt da ist. Nein, wissen tu ich das tatsächlich

00:33:54: überhaupt nicht. Ich vermute bei Putin, der berauscht sich an Macht unter dem imperialistischen

00:34:01: Fantasien. Der braucht weiter keine Drogen. Ob er nun seine Soldaten damit ausstattet, weiß ich

00:34:07: einfach nicht. Also ich habe noch, ich verfolge gerade diesen Angriffskrieg seit drei Jahren sehr genau,

00:34:14: habe aber nie einen Fetzen gelesen, der damit im Zusammenhang steht. Man könnte sich ja vorstellen,

00:34:22: dass in der Ukraine auch der Konsum von Beruhigungsmitteln gestiegen sein könnte oder von

00:34:29: Schlafmitteln oder was auch immer. Keine Ahnung, ich habe da nie was drüber gelesen.

00:34:34: Das lässt sich sicherlich vermuten, aber es ist ja unsinnig darüber zu spekulieren. Ja,

00:34:42: aber meine Pervitin, die Nazis haben das sehr bewusst eingesetzt in ihren Blitzkriegen,

00:34:47: das pusht die Leute und macht sie mutiger und rücksichtsloser auch gegen sich selbst. Also

00:34:56: eigentlich genau das, was man für Angriffskriege braucht. Ich will das wie gesagt nur zu diesem

00:35:06: Thema Drogen, finde ich gehört, dass dazu das eine guckt, wofür kann das auch dann eingesetzt,

00:35:12: da spielt sich auch so eine diese Loppolmoral, dass man an der Stelle dann sagt, okay,

00:35:17: dafür ist es jetzt aber richtig und gut und das kann, da wurde extra produziert für bei den Nazis.

00:35:26: Das war ein Riesen, ich habe da jetzt noch mal gelesen, aber irgendwie ein Unternehmer, der ist

00:35:30: davon recht reich geworden, der das dann produzieren konnte. Heute muss man wahrscheinlich

00:35:38: Heautos produzieren, um von politischen Situationen fortzuhaben. Aber ist ja auch eine gewisse Droge,

00:35:48: Autofahren. Dafür, dass du eigentlich dich schon seit Langem mit vielen anderen Themen auch

00:35:59: wissenschaftlich beschäftigst, bist du ja auch immer noch, da kann man dich das immer noch fragen

00:36:06: heute zu diesem Thema Drogen. Ja, ich finde es auch ein spannendes Thema, ich bin auch stolz auf

00:36:12: manche der Aufsätze, die ich dazu geschrieben habe, weil sie einen Aspekt beleuchten,

00:36:16: eben den sozialhistorischen oder den kultursozologischen, den anderen Leute gar nicht im Blick hatten.

00:36:22: Und auf den Gedanken bin ich durch den eben erwähnten Norbert Elias auch gekommen.

00:36:28: Also der hat mich dazu gebracht, diesen ganzen Gedanken, wie sich Effektstrukturen entwickeln

00:36:36: im Verlauf der Zeit vom Mittelalter bis zur Neuzeit, also diesen Gedanken auf Drogenkonsum

00:36:43: drauf zu tun und als Interpretationsfolie zu nutzen. So dass in dieser berühmten Ausstellung 82

00:36:52: hier im Rautenstorchius Museum, da war ich ja sehr, sehr mit beschäftigt und da stehen auch

00:37:00: zwei Aufsätze von mir in diesen Handbüchern. Ja und das war damals ein spannender Gedanke,

00:37:10: es ist heute noch einer nur, dass ich wie gesagt keine neuen Sachen mehr dazu schreiben kann.

00:37:14: Und also auch nur in seltenen Gelegenheiten, da war auch darüber reden. Das war der erste Teil

00:37:24: meines Gesprächs mit Aldo Linearo. Ich fand es kurzweilig und auch sehr spannend. In dem zweiten

00:37:34: Teil unseres Gesprächs geht es um weitere Themen, mit denen sich Aldo Linearo in den folgenden Jahren

00:37:41: wissenschaftlich beschäftigt hat. Er bleibt gewissermaßen dem Thema Kontrolle oder Kontrollverlust

00:37:47: treu, erzählt von drei Büchern zum Thema Kontrollgesellschaft, am Beispiel von Disneyland in

00:37:54: Paris, dem Kapitalismus für alle und dem Thema Arbeit. Auch seine Beschäftigung mit der Entwicklung

00:38:02: der Polizeistrategie von 1775 bis 2020 erhält eine Menge aufschlussreicher Aspekte für den

00:38:11: Maßregelvollzug, der Kontrollfunktion der Psychiatrie insgesamt und er spricht über die

00:38:17: besondere Gefährdung der Menschen mit psychischen Auffälligkeiten in polizeiliche Eingriffe zu

00:38:23: geraten. Und am Ende des zweiten Teils unseres Gesprächs spricht Aldo Linearo über seine lange,

00:38:30: zurückliegenden italienischen Wurzeln. Warum er als Unterschichtskind seine Eigentümlichkeiten

00:38:39: mit einer universitären Ausbildung hatte und wir reden selbstverständlich auch über Musik. Also

00:38:46: bleibt dran, der zweite Teil des Gesprächs kommt bald. Jetzt aber ist erstmal Bernd Niekbord dran,

00:38:53: um euch eine ganz besondere Art von Musik vorzustellen, eine Musik, die auf unterschiedliche

00:39:01: Art die Seele berührt. Hört, hört. Hi Bernd. Hi Klaus und alle, die uns zuhören. Musik ist vermutlich

00:39:10: die Kunstform, die am unmittelbarsten auf den menschlichen Körper und Geist einwirkt. Fußball

00:39:16: lasse ich in dem Fall mal außen vor oder vielleicht doch nicht. Denken wir nur an die Stadiongesänge.

00:39:22: Das ist Emotion pur, sei es Provokation des Gegners oder Anfeuern der eigenen Mannschaft.

00:39:27: Musik ruft Emotionen hervor und oder stärkt und unterstützt vorhandene Befindlichkeiten.

00:39:33: Die Sängerin René Flemming hat ein Buch zu diesem Thema herausgegeben mit dem Titel Music and Mind.

00:39:41: Hier hat sie Artikel von Musikern und Wissenschaftlern gebündelt, die sich mit der Wirkung von

00:39:46: Musik auf unser Wohlbefinden befassen. Überaus faszinieren zu lesen. Natürlich geht es darin

00:39:53: auch um italienische Oper, aber um Italianità soll es mir heute nicht gehen, sondern um Codin.

00:40:00: Das ist auch ein Therapeutikum. Darum geht es aber jetzt nicht, sondern um die Bandgleichen

00:40:04: namens Codin. Die gilt als eine Wegbereiterin des sogenannten Slowcore. Andere Bands aus dieser

00:40:12: Richtung der extrem langsam gespielten höchst intensiven Musik sind Red House Painters Low,

00:40:18: Come, Duster oder Slint. Extrem langsam, meist gitarrenlastige Musik mit Anklängen an Dreampop

00:40:26: oder Shoegaze könnte man die Richtung vielleicht beschreiben, die auch ironisch als Snorcore bezeichnet

00:40:32: wird oder Sadcore. Aber wir hören einfach mal ein Stück von Codin und warten ab, ob es zum Schnarchen ist

00:40:38: oder dazu führt.

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00:50:51: Das war's. Bleibt ruhig und take care. Alles Gute. Peace.