Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Liebe Hörer:innen,

Ich freue mich sehr über mein neues Cover Bild: ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Herzliche Grüße Klaus Jansen-Kayser

Transkript

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00:00:06: In der heutigen neuesten Ausgabe des Podcasts vom Wachsal in die Gemeinde, fünfzig Jahre Deutsche Psychiatrie nach unten hört ihr den ersten Teil ans Gespräch.

00:00:17: Verrate noch nicht mit wem?

00:00:19: Das hört ja gleich sehr ausführlich!

00:00:21: Am Ende wird natürlich Wemer Bert Nickbuer seinen Musikbeitrag zu dieser neuen Episode hinzufügen.

00:00:31: Wir produzieren diesen Podcast Ja, immer weiter.

00:00:36: Diesmal sei allerdings wieder einmal der Hinweis erlaubt oder die Frage besser wie viel Kriege verträgt eigentlich unserer Welt noch?

00:00:46: Achtundfünfzig Prozent der Deutschen lehnen laut ARD-Umfrage den Angriff der USA und Israel auf den Iran ab.

00:00:56: Was ist aber eine Lösung?

00:00:58: was es eine friedliche Lösung?

00:01:00: kein Mensch weiß das wirklich genau.

00:01:01: wie das weitergeht?

00:01:03: Das sind wirklich düstere Zeiten im Moment.

00:01:06: Naja, ich will noch auf zwei Sachen hinweisen die ein oder anderen mögen uns gehört haben.

00:01:13: Es wird ab Mitte des Jahres Eintritt für den Besuch des Kölner Domes verlangt.

00:01:20: Man weiß noch nicht wie viel Aber damit reiht sich der Kölener Dom in eine Reihe von großen Kirchen ein Die schon lange Eintritte für den besuch verlangen.

00:01:34: Schlimm oder gut?

00:01:37: Oder doof?

00:01:39: Dann möchte ich noch darauf hinweisen, dass morgen das sechsohnzwanzigste internationale Literaturfest Littkolon in Köln eröffnet wird.

00:01:48: Dazu heißt es in der Eröffnungsveranstaltung in der Julian Barnes und Robert Habeck auftreten über Wahrheit und Dichtung.

00:01:58: Da fand ich in der Beschreibung der Veranstaltung den Satz Mit seinem neuesten Buch Abschiede schaut er vom Ende einer Geschichte, der im Januar achtzig Jahre alt geworden ist.

00:02:12: Er schaut zurück auf ein ganzes Schriftstellerleben, welche Zeiten waren wichtig und wurden Literatur oder löst sich die Erinnerung von dem was war?

00:02:22: Und erzählt eigene Geschichten.

00:02:25: Erzählen heißt Verbindungen schaffen.

00:02:28: aber was ist erinnert und was beschönigt oder dramatisiert?

00:02:34: Und wie behält man die Kontrolle?

00:02:36: Ja nun zu dieser Episode, in der eben schon angedeutet ein Gespräch stattfinden wird.

00:02:44: In dem Gespräch werden viele Namen genannt, Weggefährten, der Gesprächspartnerin und wichtige andere Menschen Institutionen werde ich da auf Schlüssel.

00:03:09: Ja, dann hört jetzt erstmal in die aktuelle Episode rein!

00:03:14: Okay, dann los!

00:03:16: Hallo und herzlich willkommen liebe Hörerinnen und Hörern.

00:03:20: heute begrüße ich wieder einmal eine Gästin wie ich jetzt immer zu sagen pflege hier im Wachstal.

00:03:28: Herzlich Willkommen liebe Ulrike Siebelmaier Müller.

00:03:31: erst mal hallo.

00:03:34: Mutter von vier Kindern, Großmutter von fünf Enkelkindern und siebzig Jahre alt hast du mir erzählt.

00:03:42: Vier Jahre warst du vererratet bis dein Mann verstarb, von dem du sagst dass er am Ende seiner Berufszertigkeit seine Berufung in der optallosen Medizin gefunden hat.

00:03:52: War der Mediziner?

00:03:54: Der war Chirurg.

00:03:59: Da gibt's auch was zu tun bei den Obdachlosen vielleicht, oder?

00:04:02: Ja.

00:04:04: Aber das Schöne für ihn war am Ende, dass er nicht eingebunden war in irgendein medizinisches kassenärztliches Ärzteverbandssystem sondern wirklich im Gemeinwesen und nur die Chefin vom sozialpsychiatrischen Dienst.

00:04:22: Wo hat der ... In Dortmund!

00:04:27: hat Köln ja

00:04:28: auch ein gutes

00:04:29: System, schon relativ lange und viel Kooperation.

00:04:35: Ja du lebst heute einem Wohnprojekt so habe ich das verstanden, pflegst die Nachbarschaft aktiv und lebst das Thema Gemeinschaft mit viel Engagement.

00:04:48: So ist mein Eindruck von dem was Du mir erzählt hast.

00:04:52: Beruflich blickst Du auf eine vielseitige Laufbahn zurück.

00:04:55: Gestartet bist du als Buchhändlerin mit Bibliothekserfahrung, was auch immer diese Spezialität reißt.

00:05:01: Ja

00:05:02: das ist wichtig!

00:05:04: Im Marbach im Scheller Nationalmuseum und habe da gelernt so in bestimmten intellektuellen Kreisen mich zu bewegen.

00:05:15: Das hat viel Beziehungen fundiert weil in der psychiatrie gibt es ja ganz viele literarisch interessierte Leute.

00:05:23: Das hat mir ganz viel Sicherheit, aber auch viel Interessen.

00:05:28: Ja, das heißt du hast immer schon gerne und viel gelesen?

00:05:33: Und immer noch!

00:05:35: Ja also ja klar.

00:05:39: Und sagt es mal eben nochmal so, Podcast ist eigentlich gar nicht so.

00:05:43: dein vorrangiges Medium hier.

00:05:46: Lern ich ja erst kennen im höhere Lebensalltag.

00:05:51: Du sagst, du drückst es zumindest aus, ganz unakademisch in die Beschäftigungstherapie gewechselt.

00:05:57: Hast später als Arbeits- und Beschäftigungstherapeutin gearbeitet... ...und was schließlich Aerotherapeuten.

00:06:03: Das hatten wir hier schon mal letztes Mal auch so ein bisschen erklärt dass das ja auch von der Begrifflichkeit sich so über die Jahre gesetzlich geregelt wurde.

00:06:14: Aber hast

00:06:15: auch in dem Bereich Erwachsenenbildung und was Lehrerinnen sozusagen Besonders engagiert warst du in der Erwachsenenbildung für die Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Psychiatrie, also die DGSP.

00:06:27: Und bist auch heute noch Lehrtrainerin fürs Steps.

00:06:30: Gleich kannst Du den Hörern mal ein bisschen erklären was das ist.

00:06:34: Dein Einstieg in die Psychiatie erfolgt in der Karl Bonhoeffer Nervenklinik.

00:06:39: Gefolgt von prägenen Erfahrungen der Klinik Havelhöhe auch in Berlin... ...und der Tag- und Nachtklinikum Phönigs.

00:06:47: Die ganze Zeichen der Beschäftigungstherapie stand.

00:06:51: Danach ging es für dich in die Fachabteilung Rehburg, des Landeskrankenhaus Wunstdorf.

00:06:56: Alle drei Häuser sagst du waren allesamt von Aufbruchsstimmung geprägt.

00:07:01: also so das Klima?

00:07:03: Aber

00:07:03: Bonnys Rentsch nicht!

00:07:05: Da war die Schule

00:07:06: und

00:07:06: in der Schule bei Aufbruchsstimmung.

00:07:08: also so laut werden und so geht es nicht und daraus erwuchst ganz viel Teil habe der auszubildenden, also da war Leben und da gab es Impulse.

00:07:21: Aber die Klinik als solche ...

00:07:23: war

00:07:25: braune Anstandskleidung,

00:07:28: die

00:07:28: Trupps, fest umschlossene Forensik.

00:07:32: Wann warst du da?

00:07:35: Ungefähr?

00:07:36: Ach was, hätte ich doch mal eine Tabelle mit dir aushalten.

00:07:41: Man war ich da Anfang der Siebziger

00:07:44: Anfang der Siebziger.

00:07:45: Ja, okay.

00:07:48: Da waren natürlich in vielen großen Klapsen noch ganz vorsprachliche Zustände.

00:07:53: Und Havel Höhe war eben so eine kleine Abteilung ... da war Dieter Lehmkuhl als Assistenzarzt.

00:08:00: Das ist glaube ich einen Seller als Chef, der noch ein Klassiker war aber durchaus

00:08:06: offen wäre.

00:08:09: So eine Stimmung von man kann was ausprobieren.

00:08:12: Wir kommen wahrscheinlich im Einzelnen nachher auch noch mal drauf zu sprechen.

00:08:17: Die Fachabteilung da Sucht in Rehburg war ganz für ganz Niedersachsen zuständig, denn Fokus dort lag auf der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten.

00:08:28: und Dagmarz kam eine Anfrage der DGSP also der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Psychiatrie.

00:08:33: die erste Auflage des Buchs Irren ist menschlich Heute der große Lehrbuchklassiker des Psychiatrieverlags, also mittlerweile habe ich noch mal nachgesehen die vierteste Auflage und die Anfrage war diese Rausgabe möglichst günstig zu vertreiben überhaupt günstiger zu stellen.

00:08:53: Und das eröffnete dir die Möglichkeit neue Arbeitsfelder für verschiedenste Langzeitpatientinnen in dieser Klinik zu schaffen.

00:09:01: Das war eigentlich nur die Berührung mit dem Psychiatrieferlag in den Anfängen.

00:09:05: um das aber noch so zu Ab zur Runde in deiner Kinderpause.

00:09:10: In dieser Kinderpause hast du mit den nachteiligen Mädchen und mit pädagogischen Rollenspielen gearbeitet, das war schon in der Kinderpause?

00:09:17: Das war im pädagorisches Rollenspiel durch meine ganze Berufstätigkeit gezogen.

00:09:24: Ich

00:09:24: habe es ja in Hannover ein Verein, den es leider nicht mehr gibt.

00:09:32: Da hab ich ganz viel Impulse gekriegt und würde das auch heute noch machen wenn die Zeit danach

00:09:37: wäre.

00:09:41: Ja, und dann hast du mir so erzählt, schließlich vierundzwanzig Jahre lang Kontaktstellenarbeit verrichtet.

00:09:50: Und das war ein Schwerte!

00:09:51: Du hast das mit viel Gestaltungsfreiheit machen können in allen Bereichen eigentlich der Gemeindepsychiatrie und auch der Gemeinwesenarbeit.

00:10:00: also nach Beginn deiner Rente bist du aber aktiv geblieben.

00:10:03: neben der Aufgabe als Lehrtrainerin bist du unter anderem Dann habe ich ja durch ausgerüsteten Ergotherapie Praxis tätig.

00:10:13: Da ein Herzensthema bleibt die Gemeinschaft, mir kam so der Gedanke vielleicht an roter Faden, der sich durch dein Leben und Wirken zieht Fragezeichen.

00:10:23: Ich freue mich jedenfalls sehr heute mit dir über deine vielseitigen Erfahrungen Herausforderung und Visionen zu sprechen.

00:10:30: Was hatte ich geprägt?

00:10:31: Was treibt dich an und welche Prinzipien begleiten dich bis heute?

00:10:36: Lass uns also gemeinsam jetzt eintauchen in diese, wie ich finde beeindruckende Lebensgeschichte die viele inspirierende Impulse für das Thema Psychiatrie Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement hat.

00:10:50: Aber auch für unsere Hörerinnen denke ich eine ganze Menge an Impuls schaffen wird.

00:10:55: noch einmal herzlich willkommen und ich freue mich dass wir heute hier ins Gespräch kommen dich so in wenigen Worten vorgestellt.

00:11:06: und aber als ich das so aufgeschrieben habe, schien mir das völlig unzureichend unangemessen.

00:11:13: Wenn ich mir vorstelle was hinter all diesen Stationen deines Lebens die man jetzt nun mal einfach angetippt hat für eine Kraft- und Erfahrung stecken muss Das bekommt man ja in so einer kurzen Vorstellung überhaupt nicht vermittelt.

00:11:26: Ich möchte dir deshalb jetzt zu Beginn noch einmal die Gelegenheit geben, den Hörerinnen und Hörern zu erzählen.

00:11:33: Gab es einen Leitsatz?

00:11:34: Ein Prinzip etwas an das du immer geglaubt hast was rückblickend vielleicht über dein Leben steht?

00:11:41: ich weiß dass schon eine ziemlich große Frage.

00:11:44: also das ist wirklich groß.

00:11:46: und als sich das so das erste mal sowas gedacht habe hab ich gedacht eigentlich nicht bestfählisch praktische ländliche Vergangenheit angucke, dann habe ich immer genommen was kommt.

00:12:01: Man nachdenken.

00:12:02: jetzt aber beim Erinnern durch deine Anfrage habe ich gedacht ne es gibt schon so ein paar Themen die ziehen sich durch.

00:12:11: das hat aber auch

00:12:12: damit zu tun was ich eben lese.

00:12:15: ich hab's jetzt endlich durch.

00:12:16: ich hab dieses

00:12:18: Buch von dem Götz Ali Ich weiß nicht ob der dir etwas sagt Das ist ein Historiker.

00:12:24: Kenngelernt habe ich den über das Euthanasie-Thema schon vor Jahren.

00:12:29: Und jetzt hat er so ein großes Buch geschrieben, wie konnte das geschehen?

00:12:34: Ich finde es

00:12:35: toll und hab

00:12:37: mich mühsam durchgekrält, obwohl es lesbar ist.

00:12:43: Dieses Thema, weil er viel auch Bezüge auf die fünftiger Jahre nimmt ... dieses untergründige Thema Nazizeit, was nicht besprochen wurde in den fünfzigern Jahren Was aber da war, also da fallen mir plötzlich lauter so kleine Sachen an.

00:12:59: Ich glaube das ist ein Thema weil ich auch realisiert habe dass ich bin, ich sollte eine höhere Tochter werden, das war ich aber nie auf eine Non-Schule gegangen und die non in Osnabrück waren Opfer der Nazizeit.

00:13:13: Ich glaub ich hab dadurch einen anderen Geschichtsunterricht gehabt.

00:13:17: Also ich habe einfach Themen gehört, die viele Leute meiner Generation nicht gehört haben.

00:13:23: Weil sie alte Geschichtslehrer hatten ...

00:13:28: Ja, dass mich erzählen wollten?

00:13:31: Und ich glaub das ist ein Thema, das hat sich durchgezogen.

00:13:36: Das war schon auch bemerkenswertig.

00:13:38: Ich würde fast sagen, ein Gönner in den Buchladen, wo ich gelernt habe, war eine Kunde der ganz sicher auch Opfer war.

00:13:47: Der war damals schon sehr alt.

00:13:50: Von dem habe ich diesen Satz, das hab' ich anfangs gar nicht so richtig realisiert.

00:13:54: Frau Lanzipelmaier, wenn Sie unterwegs sind länger und verreisen, nehmen Sie immer ein Reklamheft mit!

00:14:00: Sie könnten ja verhaftet werden.

00:14:03: Also dieses Mal muss was zu lesen haben, dann geht es einem besser.

00:14:08: Der ist Opfer gewesen, er hatte immer einen Rektamheft auch in Buch.

00:14:12: Er hat mich in das Schiller Nationalmuseum empfohlen Weil ich hatte viele Handschriften von Expressionisten unter anderem, von Elke Laska Schüler.

00:14:25: Die hab' ich sortiert!

00:14:26: Das habe ich gemacht weil ich das spannend fand und mich interessierte.

00:14:30: Und dann hat er mich empfohlen.

00:14:33: Der Leiter der Bibliothek in Marbach war Ludwig Gräwe.

00:14:38: Das war ein jüdischer Dichter auch ein Opfer.

00:14:43: Auch da wurde nicht viel darüber geredet aber es war immer da Es gab so vorsichtige Hinweise, also es war ...

00:14:51: So ein

00:14:52: Klima.

00:14:54: Und ich glaube das hat mich geprägt.

00:14:58: Also was ich wusste aber auch nicht besprochen wurde dass ich den Großvater hatte dem ich nicht kennengelernt habe der Sicherheit da war.

00:15:05: was genaues hab ich noch mal versucht rauszukriegen habe immer

00:15:10: noch nicht.

00:15:12: Das ist ein Thema ich glaube

00:15:14: Hier.

00:15:15: Ja, ja ...

00:15:17: Das ist jetzt ... Da

00:15:18: hätte ich nie

00:15:19: Psychiatrie gedacht erst mal, aber es sitzt so im Kopf.

00:15:25: Die Anfänge als Buchhämterin und Beschäftigungstherapeutin.

00:15:29: war das in Berlin?

00:15:31: oder wo warst du da?

00:15:32: Ich hab in Osnabrück gelernt.

00:15:34: Mabach ist ein Weichbild von Stuttgart.

00:15:37: Und zur Ausbildung bin ich nach Berlin gegangen.

00:15:39: Es gab damals noch ganz wenige Schulen.

00:15:41: Das hat die Kollegin schon erzählt.

00:15:44: Und ich fand Berlin irgendwie spannend und wollte auch in diese psychiatrische Richtung.

00:15:51: Das war mir schon klar, ich wollte das schon nach der damals sogenannten mittleren Reife, weil es den Osnabrück auch ein großes Landeskrankenhaus gab und gibt.

00:16:01: Mein Vater wollte das nicht

00:16:03: machen.

00:16:04: Ich sollte doch nicht die Schule verlassen.

00:16:07: Da ist mein Vater auch früh gestorben.

00:16:09: dann habe ich die Schule

00:16:10: verlassen

00:16:13: Und habe die erste beste Lehrstelle, die mir so quasi ... Man bewahrt sich ja nicht.

00:16:17: Man ging ja irgendwo hin

00:16:19: und fragt.

00:16:19: Danke nach!

00:16:22: Und Berlin war dann eben einfach auch anstatt und...

00:16:29: Aber das war ja dann schon ein richtig großer Schritt, ne?

00:16:32: Wie alt hast du dich?

00:16:34: So

00:16:34: ein katholisches Mädchen vom Land.

00:16:35: Nee, da war ich halt schon nach dieser Zeit mit Lehren und so weiter im Anfang

00:16:40: zwanzig.

00:16:40: Ja,

00:16:41: aber gut.

00:16:41: Also war ich nicht mehr so jung.

00:16:44: Und man war ja dann West-Berlin an sich, sozusagen auch eine bestimmte Stimmung schon.

00:16:52: Dann noch da in Bonnys Ranch ... Du hast eben schon mal, da war das Mikro noch nicht anders, du hast es schon mal so angedeutet oder einfach hast du hier in der Vorstellung das nochmal korrigiert gerade?

00:17:03: Dass da ja nun überhaupt keine Aufbruchsstimmung in der Klinik war oder in der Anstalt war.

00:17:07: aber du warst da ja in der Schule für Beschäftigungstherapie, so ist das damals ja noch.

00:17:12: Und da war dann aber schon so ein anderes Klima.

00:17:17: Wie viel hast du denn von der Klinik mitbekommen?

00:17:20: Da waren doch auch dann Praktische, du hast auch praktisch ... Ja ich hab

00:17:23: da nicht Psychatrinologie Praktikum

00:17:25: gemacht und

00:17:26: das ist ja gut an der Beschäftigungstherapie oder Ergotherapie heute noch, dass man immer auf was Somatisches lernt.

00:17:34: Also denke ich es ist so ein Merkmal, was man mitbringt in die im Psychiatrie, dass man auch immer an die körperlichen Sachen denken kann und da auch ein Grundwissen hat.

00:17:46: Nein ich habe mein Psychiatrieb-Praktikum dann eben in Havelhöhe gemacht.

00:17:51: Ich wollte in Havalhöhe und schon da auf das Praktikum im Vönigs.

00:17:57: Also das wusste ich schon, dass ich nie in der Klinik arbeite.

00:18:02: Das ist ein Rehbuch war die absolute Ausnahme!

00:18:06: Ich muss gestehen, ich kannte dieses Havelhöhe gar nicht.

00:18:11: Es gibt

00:18:11: es auch nicht mehr!

00:18:13: Das gibt's nicht mehr.

00:18:15: Ich weiß nicht, das hab' ich damals nicht so genau mitgekriegt.

00:18:18: Also ein Bundesrensch gibt's ja auch nichtmehr und es gibt andere Fachabteilungen.

00:18:23: Es war dann nach der Enquete auf diesem Thema an den großen Krankenhäusern die Station zu

00:18:30: haben.

00:18:30: Du hast in der Hafelhöheklinik.

00:18:34: Da hast du ja deine Ausbildung gemacht und wie hast du dich da aufgehoben, gefühlt innerhalb der Arbeit dann?

00:18:43: Ich glaube das Klima war so dass sich alle bemüht haben sich gegenseitig werzuschätzen.

00:18:50: was ja klar ist braucht alle Berufsgruppen ich habe in der Zeit das nicht erlebt irgendwie mich klein gefühl zu haben.

00:19:00: Also dieser Teamgedanke?

00:19:02: Ja,

00:19:04: ich habe den Dieter Lemkul in so einer positiven Erinnerung.

00:19:10: Mein Job war ... Ich brauchte nicht in der Ergo sitzen und stricken oder sonst was tun sondern ich hab eine Schwere manisch veränderte mittelalte frau durch ganz berlin begleitet.

00:19:23: also dieses die wird da nicht eingesperrt sondern kann ihrem lauftranken nachgeben wollte unbedingt heiraten und wir haben lauter in allen beziehten die rathäuser angeguckt welches das schönste ist es hier diese wachstein bauten wo man dann die standesamtliche traurung am schönsten macht.

00:19:45: eine ganz traurige person.

00:19:47: aber

00:19:48: Und für mich war das Ausschlaggebend auch einfach zu denken, ja man muss die nicht einsperren.

00:19:56: Schon irgendwie spannend wie sich das so überträgt.

00:19:58: So eine Haltung schon damals sehr früh.

00:20:01: Ja was hat nicht geprägt?

00:20:05: Kann das gut verstehen.

00:20:06: also.

00:20:07: aber ich meine dass er auch die Möglichkeit schon war damals damit so eine Frau so zu begleiten.

00:20:14: Es war nicht so viel Versicherungsdruck.

00:20:18: Heute würde jeder sagen, du kannst doch nicht so eine junge Praktikantin mit einer so humanischen Person.

00:20:24: Natürlich hat mich das auch aufgeregt und war ich auch nicht ganz frei von Angst.

00:20:30: Ich glaube es ist so ne Haltung von ... ja hinterher hätte ich gesagt Personenzentrierung.

00:20:34: Das habe ich damals noch gar nicht in meinem aktiven Rortschatz gehabt.

00:20:38: Aber wirklich die Person zu sehen und zu gucken was kommt da resonant drüber?

00:20:43: Und dann traue ich mich das, auch wenn es manchmal schwierige Situationen gibt.

00:20:48: Das wurde mir vermittelt.

00:20:49: Ich glaube, das habe ich da gelernt.

00:20:51: Wie wichtig ist diese ersten Eindrücke?

00:20:55: Die Eindrücke und die Erwartung!

00:20:57: Das

00:20:58: schaffst du schon, das kannst du!

00:21:00: Also so eine nicht-sonderlich deutlich ausgesprochene Erwartungen, das kannst Du machen!

00:21:07: Aber du bist nach Berlin dann nach Wunsdorf gegangen.

00:21:12: Das war dann auch schon Mitte der siebziger Jahre oder sogar schon?

00:21:17: Ja, Mitte

00:21:17: der Siebzigger Jahre.

00:21:18: Also gerade so der Beginn auch einigere Formbewegungen, gerade in den großen Anstalten und eben auch in Wunstdorf.

00:21:27: Du hast du denn da noch in Wunsdorf die ganz alte Psychiatrie also Wachsal oder sonst solche Sachen?

00:21:35: Also ich war ja in Rehburg, wohnte in Wunsdorf.

00:21:39: Was mit Finzen

00:21:40: hatte da angefangen?

00:21:42: Hatemut Hohm, der quasi mein Direktor vorgesetzt.

00:21:46: Der für die Arbeits- und Beschäftigungstherapie zuständig war.

00:21:50: Ich hab Liso Haute-Lavinovic früher Hohme aus dem Vönigs gekannt.

00:21:57: Und die hat mich beworben für die Stelle.

00:22:00: Also ich hätte mich nie

00:22:01: in Rehmburg

00:22:02: beworgen.

00:22:04: Wir haben im

00:22:04: Vönigs gekündigt, als komplettes Ergoteam.

00:22:07: Weil wir nicht mit dem Chefarzt

00:22:08: einverstanden wurden.

00:22:10: Würde man heute auch nie mehr machen?

00:22:12: Also, wir fanden der ... wird viel zu medizinisch.

00:22:16: Der hat zu wenig Augenmerk auf diesem Thema ... also, wir haben ja Arbeitsplätze gesucht.

00:22:22: Eine Arbeitergruppe in den Vönigsen.

00:22:24: Das haben die Ergos gemacht!

00:22:26: Jede Woche abends kamen Leute entweder die, die in der Nachtklinik waren, die gab's damals

00:22:33: noch.

00:22:34: Und andere Ehemalige, man traf sich dann das abends.

00:22:40: Und Eliso und Helga die machten die Arbeitergruppe.

00:22:44: Ich als Praktikantin habe das aufgesogen.

00:22:49: Dann hatte ich da eine feste Stelle.

00:22:53: Das fing schon an mit dem Primate der Medikamente.

00:23:00: Es fing ja auch schon an was auch manche Mediziner hatten im Zuge.

00:23:05: Was ist denn noch unsere Rolle, wenn alle Berufsgruppen was können?

00:23:10: Das war ja so eine Diskussion.

00:23:12: Da haben wir gekündigt.

00:23:13: Wirkenkumpel.

00:23:15: Halt ich keine Stelle und dann sagt Lise, die war zu hart mit nach uns draufgezogen.

00:23:21: Willst du hier nicht hinkommen?

00:23:22: Ich sage, ihr könnt ja mal

00:23:23: gucken.".

00:23:27: Ja gut!

00:23:29: Man hat sich das getraut, ne?

00:23:30: Ich mein ...

00:23:31: Man hat es sich getraucht.

00:23:33: Es war eine andere Stimmung.

00:23:34: Nein, das war schon klar!

00:23:35: Also Asmus Finzenhelde-Schädle, Hannelajpat, Weidelajpatz... Diese schwäbische Tagesklinik Psychiatrie zog im Weichbild der Uniklinik in Hannover, der medizinischen Hochschule nach Wunsdorf.

00:23:53: also die hatten quasi den Auftrag aus dieser klassischen Psychiatrie was anderes zu machen.

00:23:59: Und so waren die Mitarbeiter, so waren sie gestrickt, so war die Stimmung.

00:24:05: Achso und das wusstest du oder wusste Mann?

00:24:08: Ich wusste

00:24:08: das nicht.

00:24:09: aber

00:24:10: Liso hat zu einem Abendessen eingeladen schwäbisch mit Zwiebelkuchen und Wäumwein und in dem Rahmen mich vorgestellt.

00:24:17: und dann haben die um mich geworben.

00:24:22: Kannst du dir nicht mehr vorstellen?

00:24:23: Das

00:24:23: kannst du dir nie

00:24:24: vorstellen.

00:24:27: Ich musste mich nicht bewerben, und ich war jung und blond.

00:24:30: Also

00:24:31: muss man auch sagen ... Ja okay so.

00:24:34: Auch hilfreich gewesen.

00:24:37: Habe ich damals nicht so genau gewusst aber...

00:24:39: Hast Du denn da Dein Mann kennengelernt?

00:24:41: wenn ich das jetzt mal direkt fragen darf?

00:24:43: Nein

00:24:43: mein Mann kannte ich schon aus der kurzen Zeit in Heidelberg.

00:24:48: In Heidelbergen habe ich ja auch noch meinen Buchlern gearbeitet.

00:24:52: Ich habe ein bisschen Heidelberger

00:24:56: SPK

00:24:57: und Prinzhorn-Sammlung, so was hab ich schon dann auch mitgekriegt.

00:25:02: Und der ist nachgezogen nach Berlin.

00:25:05: In Heidelberg war politischer Aufbruch.

00:25:07: Aber wie das so ist?

00:25:08: Es war eine Inspiration in bestimmten Kreisen, gerade wir Ausbildungsberufe ... Das war ja noch mal so ... eben wie du eben schon mal gesagt hast, ganz unakademisch im Grunde genommen.

00:25:20: Aber das war so ein bisschen auch so'n Reiz dann noch mit den Akademikern oder zumindest mit denen die da auch offen waren oder aufgeschossen waren.

00:25:28: also ich mein so dass sich das auch gegenseitig so ein bißchen befruchtet hat.

00:26:22: Ulrike Siepel Meier-Müller wird uns jetzt erzählen wie es zu sich ging.

00:26:28: Es ist darum ging der Lehrbuchklassiker des Psychiatrieverlags Irren ist menschlich, von Klaus Dörner und Ursula Pluck in der ersten Auflage zu drucken und zu vertreiben.

00:26:41: Das ist eine ganz spannende Geschichte!

00:26:55: Die haben diese kleinen Veröffentlichungen gemacht, die waren gut.

00:27:07: Und die haben sich irgendwann mal ... das Büro von der DGSP war auch in Rehburg.

00:27:15: Die haben sich zusammengesetzt mit Dörner und Pluck.

00:27:20: Und überlegt es gab ein Angebot von einem Verlag, ich weiß nicht mehr, auf Waagelommisch-Shutdown

00:27:25: oder so.

00:27:26: Dann hätte das Buch Sechzig Mark

00:27:28: gekostet.

00:27:30: Und die wollten es billig verkaufen.

00:27:33: Und ich glaub, Detlef Klotz, der damals da im Geschäftsführer war bei der DGSP oder Josef Schädler ... Oder beide zusammen, die kannten mich weil auch in der Nachbarschaft

00:27:46: alle wohnten

00:27:48: und die ist doch Buchhändlerin.

00:27:51: das war die Idee.

00:27:52: dann kann die doch die Geschäftsführung übernehmen.

00:27:54: nicht dass ich bravmännisch gewesen wäre überhaupt nicht.

00:27:59: Und dann haben die mich gefragt.

00:28:02: Dann hat es ein paar Gespräche gegeben und ich hatte dann die Idee zu sagen, man kann das ja einfach auf Subscription verkaufen.

00:28:12: Man nimmt diesen ganzen Verteiler und die Leute sollen's bestellen und dann habe ich so wunderbare Arbeitsplätze wo die Leute das verschicken.

00:28:21: Also wunderbar!

00:28:22: Das gab es da nicht.

00:28:24: Es gab einen großen Keller, wo man das gut einrichten konnte In Betel, den Klette.

00:28:34: Ein

00:28:35: auch damals schon alter Mensch mit einer bewegten politischen Vergangenheit und der war in Betel und hat dann über die Werkstätten in Betl für den Druck gesorgt.

00:28:46: Mit dessen Hilfe haben wir dann den Druck gemacht wie so ein kleinen Versandbuchhandel im Keller eingebracht.

00:28:52: Der Druck dieser ersten Ausgabe ist menschlich also in Beteln Auch da im Rahmen von Werkstatt, Menschen mit Behinderung heute.

00:29:07: Und dann der Vertrieb ist

00:29:09: bei euch?

00:29:09: Der Vertrieb war bei uns im Keller.

00:29:12: Die haben es dann gepackt aber auch im Rahmen der Beschäftigung.

00:29:18: Es gab ein arbeitstherapeutisches System also mit dieser industriellen Fertigung.

00:29:22: Da haben wir uns auch im Prinzip dran gehängt.

00:29:25: damals die Verwaltungschefin, die war total begeistert von der Idee.

00:29:31: Die war wirklich auch sehr unterstützend.

00:29:34: Ich habe sonst alles gar nicht geschafft.

00:29:38: Die Patienten haben gearbeitet.

00:29:40: Da waren ja Leute mit qualifizierten Berufen.

00:29:43: Die waren langsamer untergebracht.

00:29:45: hier nämlich an eine Frau, die dann in einem ganz anrugerenden Briefwechsel mit Klaus Dörner getreten ist.

00:29:52: Der hat die ganze Buchführung gemacht.

00:29:53: Du konntest das?

00:29:55: Sie war Buchhalterin!

00:29:56: Die war richtig gut.

00:29:59: Wir kriegten ne Räume, das ist ja so ein Badeort, wo ich gewesen ist nicht weit vom Stein oder mehr und wir hatten also eine Villa, wo die Ergotherapie war und wir haben dann noch ein weiteres Haus, wo wir die Verwaltung machen konnten und wir hätten den Keller für den Versand.

00:30:14: Was sind das denn für Dimensionen gewesen?

00:30:16: Ich kann mir das noch nicht so vorstellen.

00:30:17: wie viele Bücher sind denn... Man weiß ich nicht, hab

00:30:20: mich nicht nachgeguckt!

00:30:22: Dank der Erkundigung von Karin Koch, der jetzigen Geschäftsführerin des Psychiatrieverlags kann ich sagen dass die erste grüne Ausgabe von Ihren ist menschlich in erster Auflage mit dreitausend Exemplaren gedruckt wurde und die war nach wenigen Wochen ausverkauft und wurde also gleich nachgedruckt.

00:30:42: Vielen Dank an dieser Stelle!

00:30:44: Es war ja wichtig diesen diese erste Auflage und das Volk zu bringen weil eben die Inhalte ganz andere waren als Lehrbuch, die man bis dahin kannte.

00:30:58: Das war doch eigentlich so der springende Punkt, warum man sagt wir brauchen auch günstige Vertrieb und das muss alles sehr preiswert sein damit es möglichst viel unter dieses Fachvolk

00:31:10: kommt.

00:31:10: Das War ja das Neue!

00:31:12: Also das war ja das absolut neue an dem Buch dass da eine andere Perspektive drin war sich resonant machen zu gucken, wenn ich in so einer Begegnung mit einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung bin.

00:31:29: Was passiert bei mir?

00:31:32: Und aber auch... Damals habe ich das noch nicht so realisiert.

00:31:36: Ich habe es erst später realisiert Auch eine Verantwortung da bei dem Gegenüber zu lassen Also dieses ganze custodiale Ding an das wir gewöhnt waren in unserem Denken Das war da in Frage, ich denke im Nachhinein das war auch in hohen Maße Ursula Plog.

00:31:54: Ja?

00:31:55: Die dieses Hinterfragen, dieses Reflektieren was passiert hier... ...das war bei der Enflei schon Blut.

00:32:03: Also wie die mit Sprache umgegangen ist, wie sie auf Begriffe geguckt hat.

00:32:12: Die war Psychologin.

00:32:13: Die Warpsychologin also mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und die beiden Klaus Dörner und Ursula Plou kannten sich aus der Psychiatrie.

00:32:25: Und ich habe später eine Kollegin gehabt, die ein Praktikum in Hamburg gemacht hat und sagt wir haben die industrielle Fertigung mit den Kugelschreibern oder irgendetwas einfaches problis und die haben mitgearbeitet.

00:32:39: Das ist für mich eine Erklärung gewesen dass sie keine Berührungsängste hatten auf so einer Augehöherebene sich bewegt haben.

00:32:50: Sonst wäre das nicht gelungen, nicht bei jemand wie Klaus Dörner.

00:32:54: Ich weiß noch, ich hab damals von dieses Buch Bürger und Irre ... Das konnte ich nicht gut lesen.

00:33:00: Das fiel mir schwer, obwohl ich den Ansatz wichtig fand.

00:33:03: Aber dann mit den beiden in dieser Zusammenarbeit fühlte ich mich auch gemeint also anders als im Psychiatrie-Lehrbüchern?

00:33:12: Ja.

00:33:13: Wo mir ein Wissen mit einem Trichter eingeladen werden sollte, war ich in diesem Begegnungsaspekt

00:33:20: gefragt.

00:33:22: Das ist ja auch in den Überschriften in dem Buch.

00:33:25: Das konnte man nicht durchlesen.

00:33:27: also das habe ich nie geschafft oder erst bei Annähernd bei der weiß-nicht wievielten Auflage als es überarbeitet war.

00:33:34: Man konnte aber unendlich drin lesen.

00:33:37: Ich weiß dass sich im bestimmten Situation dieses Buchs... ich hatte das immer Und dachte, was machst du jetzt?

00:33:47: Das gingen wir genauso.

00:33:48: Dass man dann punktuell sich das

00:33:51: vorgenommen hat.

00:33:53: Es ist auch glaube ich das Geheimnis dran.

00:33:57: War das denn der Hamats schon?

00:33:59: Als du da mit dem Vertrieb beschäftigt hast ... Hast du denn das schon gewusst?

00:34:07: Da steckt ja Zündstoff drinnen

00:34:09: in diesem Buch.

00:34:10: Ja, das wusste ich!

00:34:14: Klaus Dörner kannte den Maus, diesen Gerichtsreporter aus dem Spiegel.

00:34:21: Und der hat ganz früh eine Besprechung gemacht.

00:34:24: Die besprechung war eine wirkliche Einladung und passt politisch ja ... Weil Psychatrie war in der Zeit ja Thema.

00:34:31: Es ist nicht so wie heute, dass es in so einem negativen Sinn ein Thema ist, sondern als Notwendigkeit ein Thema.

00:34:42: Ja?

00:34:43: Und so war die Besprechung.

00:34:45: Dann haben die Leute das gekauft und bestellt,

00:34:47: ja?

00:34:49: Ich

00:34:49: meine sogar in der Besprechungswehr drin gewesen, wie man das bestellt ... Dass

00:34:53: man das

00:34:55: probieren konnte später hat.

00:34:57: Sechzehn, dem hat gekostet, da war auch nicht viel Geld.

00:35:00: Das ist eine kurze Zeit, über die wir reden.

00:35:03: Ganz

00:35:03: kurz!

00:35:05: Und bist du den dann später noch mal wieder begegnet als beruflich oder überhaupt?

00:35:12: Nee, dann bin ich ja... quasi in Kinderpause.

00:35:16: Und war auch froh, als ich diesen Geschäftsführer-Job dann los war, weil das also mit den finanziellen Gegebenheiten nicht so einfach

00:35:29: war.

00:35:30: Ich versuche mir das so vorzustellen wie im Rahmen der eigentlichen Reformbewegung, die ja gerade am Anfang war nach der Psychiatrion-Kecke, dass er jetzt häufig in den letzten Episoden und letztes Jahr geschildert Und das in dem ein ganz kleiner Punkt ist dann auf einmal dieser Psychiatrieverlag noch entstanden.

00:35:52: Aber dass das so eng verwoben war, das finde ich so spannend!

00:35:55: Wenn man das überlegt... Das war die DGSP Es war ein Hilfsverein aus Wunsdorf und es war ein Verein aus Wiedensaal Die sich die Förderung von Wilhelm Busch ist aus Wienensaal.

00:36:09: Ja, Fördering von Wilhem Busch Gut Ein Pfarrer war der Gesellschaft der Vertreter.

00:36:14: Also das waren die Gesellschaften, die diesen Verlag dann gegründet und getragen haben.

00:36:21: Das war toll!

00:36:22: Ich sag was über die Stimmung aufs.

00:36:24: Es war ganz regional da... ...und das ging auch nur weil die MAH dabei war.

00:36:30: Da gab es ja in der MAH diesen Wolfram Mevers, der in der Psychiatrie Gruppenarbeit machte.

00:36:37: Das erste Book erschien bei DTV.

00:36:40: So etwas erschien auch in anderen Verlagen Das habe ich auch schon vorher gelesen, das Irrenhäuser von Fischer.

00:36:47: Also es war ein Thema, also institutionelle Psychiatrie und diese Impulse da nicht nur medizinisch zu gucken und das Thema Arbeit wichtigzunehmen.

00:36:59: Erich Wohlfühler des Buch hieß Vietnamesische Lehrjahr.

00:37:04: Das glaubst du in meiner Lehre?

00:37:06: Als ich im Buch hatte dieses Buch Von daher weiß ich irgendwie, man kann verrückt werden.

00:37:17: Und das war Hannover, der war auch in Hannover.

00:37:22: Also dass er verlagstärker wieder ... in meinem Bewusstsein kamen, das war in der Zeit als Utehyper in der Geschäftsführung.

00:37:32: Weil die hat die Beziehung auch gepflegt und da haben wir so die ersten Jubiläen gefeiert.

00:37:37: Ja, ich glaube, in dem Kontext habe ich das erste Mal dann auch wieder Asmus ...

00:37:47: Das ist ja vielleicht noch nicht so ganz klar geworden.

00:37:48: Aber das war schon auch die Geburtsstunde des Psychiatriefachs, da muss man so sagen.

00:37:55: Also in dieser inklovisierten Vorgehensweise

00:37:59: damals?

00:38:01: Absolut!

00:38:03: Ich weiß nicht ob du diese Werkstatt schiffst, ich habe immer noch Spaß dran.

00:38:08: Wenn wir gerade ein bisschen Büchermaterial Gucken.

00:38:13: Dieses Bild,

00:38:14: weißt du?

00:38:18: Das war im Zusammenhang mit der Enquete.

00:38:19: Das ist so eine Kurzfassung für diese riesendicke Enquette gewesen.

00:38:24: Die konnte man gut lesen und der Sucht der Psychiater den Patienten unterm Teppich.

00:38:30: Das finde ich ist so ne Darstellung die was über diese Stimmung aussacht.

00:38:39: Und die beiden also Hilde Schädle und Asmus Finzen, die wollten mit ihrer Reihe Werkstatt schriften eben auch dem Verlag nochmal einen Schub geben.

00:38:48: Es ging nicht nur um ihren ist menschlich das war der Renner aber dieses also ich habe ganz viele von den Heften hier haben ganz viele relevante Themen

00:38:58: auf.

00:38:58: Das waren auch sozusagen die ersten?

00:39:00: Das waren die ersten Hälfte.

00:39:02: Die

00:39:02: hat es immer weitergegeben.

00:39:05: Also ich hab jetzt so paar exemplare Schmidt genommen Dies zum Beispiel, das war ein Achtzig.

00:39:14: Da gab es diese erbitterte Diskussion über die neue Einfachheit.

00:39:19: Du bist ja jünger.

00:39:21: Ich hatte da kleine Kinder aber ich erinnere mich so daran.

00:39:26: Das war wie eine Kontroverse zwischen diesen Praktikern und den Idealisten.

00:39:36: So was zog sich durch!

00:39:41: Und dann wurden die Bücher natürlich immer schöner.

00:39:51: Das ist mir noch mal wichtig zu festhalten, dass mit diesem Buch aber eben auch zum Beispiel hier mit den Werkstattschriften zur Sozialpsychiatrie sozusagen die Geburtsstunde des Psychiatrieverlags war.

00:40:08: und

00:40:13: Wie lange ist das denn in dieser improvisierten Form da gegangen?

00:40:18: Ganz genau weiß ich das nicht.

00:40:19: Also, Grün-Uwe-Achten-Siebzig.

00:40:23: Ja.

00:40:24: Neun-Sebzig habe ich aufgehört Anfang der

00:40:27: Achtziger.

00:40:28: Ihr seid dann von Rehbusch.

00:40:29: Da war ja auch so ein Büro, aber auch der DGSB.

00:40:32: Auch

00:40:33: von der DSB, ja.

00:40:34: Dann sind die nach Rohn gezogen...

00:40:40: Du hast mir erzählt im Vorfeld dieses Gesprächs, dass du vom jetzigen Psychiatrieverlag mal eingeladen worden bist um genau bei diese Anfänge die wir jetzt hier versuchen so ein bisschen einzufangen zu erzählen.

00:40:56: Kannst du da nochmal paar Sätze zu sagen?

00:40:58: So dieser Spirit den wir jetzt gerade ja so ein bischen angeleuchtet haben wie hat sich das denn dann verlag oder in dieser konkreten Arbeit mit dem Büchern ausgewirkt oder dargestellt, dieser besondere Geist der damaligen Zeit?

00:41:14: Der ist Vergangenheit.

00:41:17: Ich glaube dieses eingebunden sein in Zwänge ist so selbstverständlich jetzt und es hilft für den Verlach ja nur zu überlegen wie können sie funktionieren?

00:41:32: also die haben ja wunderschöne Bücher gemacht Als ich dann wieder nach der Kinderpause eingestiegen bin, ich habe eigentlich immer nur die Bücher des Psychiatrieverlachts.

00:41:44: Damit kam mich gut zurecht weil es ganz klare Handreichungen sind.

00:41:50: jetzt als ich da war.

00:41:51: Ich sage waren schöner Vormitter.

00:41:55: aber ich hab dann hinterher gedacht habt ihr uns als nicht wissenschaftlich also schon durch Wissenschaft irgendwie geprägte, aber nicht als wissenschaftlich denkende und arbeitende Menschen überhaupt noch im Blick.

00:42:13: Oder könnt ihr das kaufen?

00:42:14: Leute wie ich also mit so einem Beruf kaufen die den noch Bücher.

00:42:19: Also sowas hatte ich dann hinterher im Kopf.

00:42:23: Und dass sie eben über ihre Fortbildung machen ja auch in Kooperationen mit manchen ihrer Autoren-Fortbildung.

00:42:31: Dass sie eben so eine Schiene befahren müssen.

00:42:37: Und der springende Punkt war ja eben in den Anfängen dieses gegenseitige Befruchten.

00:42:43: Ich meine, das ist natürlich in so einem radikalen Reformschritt wo ganz viel Chaos abwahrt und viel Unsicherheiten waren.

00:42:51: Natürlich auch besonders spürbar dass da gegenseittiger beeinflussen Befruchtung war.

00:42:59: Also gegenseitig meine ich jetzt wirklich aus dem praktischen Klinikalltag, aus den Konservativen die da immer auch noch mitreden wollten und dann aber auch die fortschrittlichen Leute die vielleicht aber auch gar nicht so ganz genau ein Konzept hatten außer dass man eine Underhaltung will und in den Patienten gegenüber fairer sein wird oder auf Augenhöhe.

00:43:20: Aber manchmal fehlten ja auch die Konzepte.

00:43:22: So ist meine Erfahrung aus der damaligen Zeit Und aber gleichzeitig dann eben auch so ein kleiner Verlag, der spürt hoch.

00:43:31: Hier ist aber ein Thema was man vielleicht gut besetzen könnte auch.

00:43:35: Was man auf pushen will vielleicht?

00:43:37: Was die Inhalte angeht dass die andere Haltung propagieren und Teamarbeit oder diese ganzen Begriffe das ist ja eigentlich nur eine Momentaufnahme.

00:43:48: Die kann man nicht in vierzig Jahre später verpflanzen weil Anders heute die Verbindung.

00:43:56: Also

00:43:57: da war ja das Thema Perspektive der Betroffenen ja nur über meine Schiene als Profi, also die Perspektiv der Betroffene war da noch gar nicht da.

00:44:10: Ja!

00:44:11: Also wann war Ihr See?

00:44:12: Wann war diese Tagung?

00:44:14: Um neun und achtzig.

00:44:17: Neun, achtzig, neunzig... Da kommt es ja das erste Mal, dass sich dieser betroffene Verband gebildet hat.

00:44:24: Bis dahin war es doch kein Thema.

00:44:27: Auch

00:44:27: Angehörige waren kein Thema

00:44:30: überhaupt nicht!

00:44:31: Also sie werden immer erwähnt und also beide Asmus Finzen wie auch Klaus Dörner haben da was bewirkt.

00:44:41: Aber

00:44:42: dass Betroffende sich vertreten?

00:44:48: oder der noch angefangen haben, Bücher zu schreiben.

00:44:54: So was!

00:44:55: Und da war der Psychiatrieverlach ja toll.

00:44:59: also was die da dann auch frühzeitig aufgenommen und gemacht

00:45:03: haben.

00:45:05: Also ich meine das selbsthilfe Buch von Christiane Tilli ist glaube ich immer noch ein Bestseller.

00:45:12: Ich kannte eine Familie aus Schwaben Familienperspektive als Betroffene ein Buch geschrieben haben.

00:45:24: Das hat der Psychiatrieverlach gemacht, da ist diese Weiterentwicklung.

00:45:30: So was wie das Marie-Cavari-Buch von der Amering ... Das war einfach toll!

00:45:37: Na ja, das waren natürlich ... Ich sage mal gerne Quartensprünge innerhalb der ... Ja und das war

00:45:43: der Psychiätrieverlag?

00:45:49: Aber in der Situation habe ich gedacht, oh verdammt ihr müsst euch.

00:45:54: Wer weiß wie anstrengend um was Neues zu finden?

00:45:58: Wo kann wieder ein Spirit sein?

00:46:17: Hi Klaus und alle die uns zuhören!

00:46:21: Wenn meine Stimme heute etwas belegt klingt und ich etwas angestrengt wirke liegt es daran dass sich mich seit Wochen mit einer üblichen Erkältung herumschlage die nur sehr langsam zurückgeht.

00:46:32: Hoffentlich wird ein Beitrag nicht allzu schlimm und ihr könnt es halbwegs anhören.

00:46:36: Los geht's!

00:46:37: In letzter Zeit tauchen in allen möglichen Publikationen wieder diese Listen für die einsame Insel auf, was würde man mitnehmen?

00:46:45: Zehn Schalplatten, Bücher eventuell Filme oder Ähnliches.

00:46:49: Ursprünglich hieß das Konzept Ten Deaded Island Disks.

00:46:52: Dazu gibt es auch einen Buch von Graham Marcus aus den Siebzigerjahren indem er zwanzig Musikjournalisten bat Ihre zehn Desert Island Disks, also ihre zehn Platten für die Insel vorzustellen.

00:47:03: Damals ging es natürlich noch ausschließlich um Vinylplatten.

00:47:07: Heute hat sich das kontingent möglicher Tonträger natürlich entscheidend verändert.

00:47:12: Nämlich jetzt zehn Streamingdienste mit auf der Insel oder falls es da überhaupt ein Netz gibt?

00:47:16: Zumindest wäre ich damit was den Zugang zu Musik angeht sehr breit aufgestellt aber wahrscheinlich gibt es gern Netz.

00:47:22: Also lassen wir diese Optionen entfallen.

00:47:24: Dann beschränke ich mal auf die physischen Tontraeger.

00:47:28: Der Zeit geschuldet erlaube ich mir allerdings auch Box-Sets zu integrieren, die ich eventuell auf ein Stick loaden könnte um mehr Material auf weniger Platz unterzubringen.

00:47:38: Dann könnte ich vielleicht sogar noch ein paar Bücher mitnehmen oder so.

00:47:42: Zunächst nehme ich die erstes Velvet Underground LP mit, die mit der Banane Nico and the Velvet Underground.

00:47:48: Die bietet Songs für jede Lebenslage auf der Insel.

00:47:51: Ich gehe davon aus, dass es nicht um eine tropische Insel handelt auf der ich strande.

00:47:56: Daher sind die Tage alle mehr oder weniger gleich.

00:47:59: zumindest was das Wetter angeht hoffe ich jedenfalls.

00:48:02: welcher Tag genau ist vergesse ich wahrscheinlich nach kurzer Zeit.

00:48:06: Es gibt keine Unterschiede mehr und man könnte also sagen jeder tag ist ein sonntag dazu der passende song.

00:49:54: Und für alle, die sich überlegen was sie am nächsten Tag vorhaben und unternehmen könnten.

00:50:39: Das soll es dann sein mit den Velvet Underground.

00:50:41: und jetzt kommt natürlich Bob Dylan's Blond On Blonde.

00:50:44: Ohne Bob geht sowieso nicht.

00:51:14: Plaging my

00:51:30: time, Bob Dylan!

00:51:32: Was macht man so mit seiner Zeit auf der Insel?

00:51:34: Musik hören natürlich... Ich packe auch noch die Beatles CD-Box ein und warte erst mal ab denn tomorrow never knows.

00:52:23: Ein wenig Klassik muss natürlich auch dabei sein, also der einfache Halber der gesamte Ring von Richard Wagner.

00:52:29: Der Valkyrenrit macht im Bedarfsfall immer den Kopf frei.

00:53:11: Zum Runterkommen dann gerne ein wenig Bach – der Unvermeidliche!

00:53:16: Nicht nur zum Entspannen sondern auch um nicht den Mut zu verlieren und positiv in die Zukunft zu blicken.

00:53:22: Das schadet heutzutage sicherlich auch weg von der Insel nicht.

00:53:30: Das waren einige musikalische Möglichkeiten für fünf Alben für die Insel.

00:53:34: Vielleicht gibt es im nächsten Podcast die restlichen fünf, um die zehn Tracks von Desert Island voll zu machen.

00:53:41: Bis dahin machts gut bleibt gesund.

00:53:43: wir lieben euch viel!