Vom Wachsaal in die Gemeinde  - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Vom Wachsaal in die Gemeinde - 50 Jahre deutsche Psychiatrie - na und?

Liebe Hörer:innen,

Ich freue mich sehr über mein neues Cover Bild: ein Werk der Künstlerin, Elke Jonen, Künstlerkürzel „ejo“, die in Köln lebt. Der Titel lautet: „Einblick“ / Erstellungsjahr 2017 / Acryl auf Leinwand, Originalgröße 40 x 60 cm. Es zeigt den Ausschnitt eines Portraits. Im Fokus der Blick, der sucht, leidet und voller Kraft und Willen fordert. Die Augen, ein Zugang zum Innersten, beseelter Wesen. Ein Ausdruck mehrschichtiger Empfindungen.

Herzliche Grüße Klaus Jansen-Kayser

Transkript

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00:00:12: Hallo und guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörern.

00:00:15: Diese heutige Episode katapultiert euch noch mal zurück in die Anfänge dieses Podcasts.

00:00:22: Ich bringe heute einige kleine Ausschnitte aus der zweiten Folge dieses Podcast.

00:00:30: Das war bereits... ...Dreiundzwanzdoktober... ...Zwei-Tausendzwanzig Und ich beschreibe darin Die ersten Tage meiner beruflichen Tätigkeit.

00:00:41: Das war ungefähr im Juli.

00:00:45: Irgendwie war mir danach nochmal in diese Zeit einzutauchen und deshalb heute dieser Ausschnitt.

00:00:53: Außerdem möchte ich diese heutige Episode von Herzen, meinem Sohn Whitman der Heute Geburtstag feiert.

00:01:02: Herzlichen Glückwunsch!

00:01:04: Also viel Spaß dabei!

00:01:06: Bernd Nickboer wird heute psychedäliche Musik spielen und auch darüber sprechen.

00:01:13: Und es werden auch wieder einige Ausschnitte aus verschiedenen, mehr oder weniger sehr bekannten Songs darin vorkommen.

00:01:23: Dann viel Spaß bei dieser heutigen etwas besonderen Episode.

00:01:32: In den siebziger Jahren werden wir aber in diesem Lande nur soviel Ordnung haben wie wir

00:01:39: an Mitverantwortung

00:01:41: ermutigen.

00:01:42: Solche demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordnliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen.

00:01:56: Wir wollen mehr Demokratie wagen!

00:02:00: Willi Brandt am achtentzwanzigsten Oktober nineteenhundertneunensechzig im Deutschen Bundestag in seiner Regierungserklärung.

00:02:09: In den frühen, neunzehnhundertsiebsterjahren gab es vereinzelt vorsichtige Initiativen in der deutschen Psychiatrie hin zu Reformgedanken und Vorhaben.

00:02:22: Auch hier, wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen, breiten alte verstaubte ja uns selbst herrliche Strukturen auf eine kleine überwiegend junge scharf kritisierende Strömung.

00:02:38: Studentinnen Und die Auszubildenden in den Betrieben suchten den Konflikt mit Ausbildungsinhalten.

00:02:49: Teils ging es dabei aber um ganz grundsätzliche eher ideologische Auseinandersetzungen.

00:02:57: Große Fragen wurden gestellt und diskutiert, was ist denn die Funktion von Psychiatrie?

00:03:05: Anderssein einzufangen, zurechtzubiegen anzupassen wieder für die Gesellschaft, Arbeit und für den Kapitalismus zu reparieren.

00:03:18: Die Psychiatrie gehört schlichtweg aufgelöst.

00:03:21: Die Betreiber der ca.

00:03:22: sechzig Großkliniken und Anstalten in der BRD hatten die Nachkriegspsychiatrie auf die alten Fundamente der Nazi-Psychiatrie offgesetzt mit ihren Selektions- und Vernichtungsmechanismen mit wenig und schlecht ausgebildeten und zum Teil aus den Nazi-Strukturen übernommen im Personal.

00:03:44: Und seit Mitte der nineteenhundertfünfziger auch mit ersten furchtbaren Psychopharmaker gegen den Geist einer versteckten Psychiatrie, mit ihren tausend eingesperften und vergessenen Menschen hinter den Mauern abgeschnitten vom Gemeindeleben weit weg von Angehörigen untergebracht – und ohne jede auch nur annähernde Art von humaner Behandlung.

00:04:11: Gegen diesen Geist gab es keine andere Möglichkeit als mit allen Sinnen zu rebellieren, wenn man Mitglied der jungen Generation

00:04:19: war.".

00:04:21: Ich möchte das mit einer Beschreibung noch mal deutlich machen.

00:04:26: Asmus Finzen, ein Sozialpsicherheitter der ersten Stunde und new erzlicher Leiter des Landeskrankenhaus Wunstdorf beschreibt es Rückblick so Die Anstalten waren damals nicht nur geschlossen, sie waren auch in sich abgeschlossen und isoliert.

00:04:46: Meist abgelegen auf dem Lande abseits der großen Städte.

00:04:50: Sie waren zudem von hohen Mauern umgeben und die meisten ihrer Kranken waren doppelt eingeschlossen.

00:04:57: Achtzig Prozentjahr bis zu neunzig Prozent ihrer Schwerkrankenpatienten, die man damals insassen nannte verblieben dort nach ihrer ersten Einweisung lebenslang.

00:05:10: Wegen ihrer abgelegenen Lage rissen auch die Kontakte zu den Angehörigen meist bald ab.

00:05:15: Die Patienten waren ausgeschlossen und eingeschlossen zugleich.

00:05:20: Ausgeschlossen aus der Gemeinschaft der Gesunden, eingeschlossen in den Anstalten, eingeschlossene in den Stationen und in der Klinik Und sie lebten dort unter entwürdigenden Umständen.

00:05:35: Noch neunzehntundhundertfünfundsiebzig war ein Wunsdorf Über siebenundneunzig Prozent der Tausend kranken dauerhaft auf ihren Stationen interniert.

00:05:45: Nur achtenswarnt sich von ihnen waren sogenannte Freigänger und die Langzeitpatienten lebten dort wie in fast allen anderen Anstalten unter unwürdigen Bedingungen.

00:05:57: Sie waren entmündigt und entrechtet, sie trugen Anstaltskleidung.

00:06:02: Sie verfügten über keinerlei Eigentum.

00:06:04: selbst ihre Ehringe hatte man ihnen abgenommen.

00:06:08: Von dem mageren Taschengeld, das sie erhielten konnten Sie nichts einkaufen weil sie nichts aufbewahren konnten.

00:06:15: Wenn sie Glück hatten wurden die nötigsten Dinge für sie eingekauft aber für viele gab es auch nur die nöthigsten dinge nicht.

00:06:24: Sie hatten keine Zahnbürste kein eigenes Handtuch ja selbst Die Anstaltkleidung war nicht ihre eigene.

00:06:31: in vielen Häusern legten sie abends ab Und nahmen sie in beliebiger Reihenfolge morgens wieder von einem großen Haufen weg, um die getragene Wäsche und Kleidung irgendeines anderen Patienten anzuziehen.

00:06:48: In vielen Häusern gab es kein zugänglich warmes Wasser für die Kranken.

00:06:51: Es gab keinen abgeschlossenes WC.

00:06:54: Die meisten waren offen mitten in den riesigen Schlafzellen.

00:06:59: Zähle mit siebzig Patienten und mehr waren keine Ausnahme Und es gab keine Schränke, keine verschließbaren Nachtiche.

00:07:09: In Wunstdorf beispielsweise hatte noch in den Sehundertundundundneinzehnten kein Einziger der männlichen Patienten ein Schrankfach oder eine Nachtig für sich allein.

00:07:20: Eberhard Kluge einer der frühen Anstattreformatoren sagte einmal die Menschen lebten dort in einer Geruchs- und Geräuchsgemeinschaft drastischer und realistischer in einer Gestankes- und Lärmgemeinsschaft Und das alles auf engstem Raum eingeschlossen.

00:07:40: Auch in Wunsdorf war es noch so, dass auf bestimmten Stationen die Betten im Schlafsaal tagsüber zusammengeschoben wurden damit sich die Kranken doch nicht aufhalten konnten.

00:07:51: Jeder mit einem Stuhl für sich immer vor laufendem Fernseher.

00:07:58: Zitatende In dem Bemühen Freiheit und Verbesserungen Patienten und Patientinnen einzuführen ist es am Anfang nicht sonderlich gut gelungen, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten die einzelnen Schritte der Verbesserung gemeinsam zu bestimmen.

00:08:25: Das ist aus heutiger Sicht ein großer kritischer Punkt.

00:08:29: wenn die jungen aktiven Menschen in die Anstalt trinken um dort Verbesserungen einzuführen, hatten völlig unterschätzt wie viel der Mensch innerhalb von vielen Jahren, Jahrzehnten eingeschlossen sein an Freiheitstechniken verliert.

00:08:52: Die eingeschlossenen Menschen waren es einfach völlig entwöhnt überhaupt draußen alleine zurechtzukommen.

00:09:04: So führte die Öffnung der geschlossenen Stationen auch dazu, dass in Einzelfällen Patienten und Patientinnen in Lebensfahr gerieten.

00:09:20: Wenn sie außerhalb der geschlossenen Station sich bewegten anstatt das alles mit Bedacht und mit langsamen Schritten zu machen ist es mitunter dann doch sehr schnell für die Menschen gegangen, die wie gesagt diesen ganzen Freiheiten schon längst schon lange entwöhnt waren.

00:09:45: Eine Erinnerung sollte dafür stehen was ich meine.

00:09:50: Karl K. Punkt war ein kleiner hagerer Mensch, schätze circa... ...vierfachtig Jahre alt damals der seit vielen Jahrzehnten auf einer geschlossenen Station war.

00:10:12: In seinem Leben war er fremdlegionär gewesen und es zeichnete sich dadurch aus, dass er auch auf der Station den Flur auf- und abging im Stechschritt.

00:10:26: Plötzlich blieb er stehen vor einem, baute sich auf, machte fürchterlich verbale Attacken so das man sich im ersten Moment auch sehr erschrecken konnte sprach dann allerdings auch sehr unverständlich.

00:10:43: Und wandte sich nach kurzem verbalen Angriff wieder ab und ging weiter den Flur im Stechtritt auf und ab.

00:10:53: Zwischendurch hatte er Kaffee geschnocht, und Zigaretten die ja eigentlich Mittel oder Lebensmittel waren, die Genussmittel waren die verteilt und rationiert wurden.

00:11:10: Aber trotzdem gab es wie gesagt ja auch immer einen kleinen Schwachzandel, sodass so die Beschäftigung war zwischen den Mahlzeiten.

00:11:21: Karl fast immer regelmäßig an die Stationstür klinke um zu prüfen ob die Tür nicht doch offen war und das war so unvorbereitet wie viele Menschen waren.

00:11:35: Es war die Tür eines Tages offen Und Karl ging ging und machte aus dem langen Flur seinen Weg in die Freiheit, die ihm völlig unbekannte Freiheit mittlerweile.

00:11:50: Und wie wir kurze Zeit später erfuhren ist Karl auf der Landstraße von einem Auto überfahren worden und war das erste Opfer dieses Öffnungsprozesses, dieses Reformprozesses, der alle, die daran beteiligt waren doch einen gehörigen Schrecken versetzte.

00:12:11: Das Lied, das ich aus den zahlreichen Songs von Springsteen für den heutigen Podcast ausgewählt habe spiegelt ein Stück weit dieser aus der Empfindlichkeit erwachsenen Stärke in einem liebes Lied wieder.

00:12:23: Tuffer Than the Rest Ein Hit aus dem Jahre, und es ist ein Lied über die Verwundbarkeit und das Verlieben als Erwachsener Denn das Herz bereits verletzt.

00:14:48: High-Claus

00:15:01: sind alle, die uns zuhören.

00:15:02: Immer noch Februar und Winter Aber Carnival ist vorbei oder wie es im Lied heißt Now the Carnival is over aber The Torture never stops.

00:15:13: anderes Lied!

00:15:14: Aber darum geht's jetzt nicht.

00:15:16: Ich habe in der letzten Zeit wieder viel psychedelische Musik gehört Great for Day to Jefferson Airplane Small Faces Okay deren psychedälische Sachen Die Klassiker eben Aber auch Neueres Dreams Syndicate Green on Red Beefers Front Spaceman III, Black Angels, Baro Pond und so weiter.

00:15:34: Einen Song habe ich dabei quasi neu für mich entdeckt von den Jefferson Airplanes.

00:15:39: It's No Secret.

00:15:40: Ich glaube das war die erste Single der Airplane von ihrem ersten Album, Jefferson Airplane Takes Off damals noch mit der singeren Signor Anderson, die danach die Band verließ.

00:15:50: Für sie kam Grey Slick und der Rest ist Musikgeschichte.

00:15:54: It's No Secret.

00:15:55: wird gesungen von Marty Bellin, dem Gründer der Airplane.

00:15:58: Ursprünglich geschrieben für Otis Redding aber als er den Song nicht aufnehmen wollte machten die Airplane ihn zum Hit.

00:16:05: Besonders gefällt mir die Textstelle in der es heißt You Got Me Jumping Up and Down.

00:16:10: könnte man vielleicht du machst mich ganz hibbelig und bringst mich zum Zappeln übersetzen?

00:16:15: Hier ist die Version vom Album Blessed Pointed Little Head Lights.

00:17:21: Ach ja psychedelische Musik.

00:17:23: Außerdem habe ich Steve Reich gehört, der durchaus seine psychedelischen Momente hat.

00:17:28: Music for Eighteen Musicians zum Beispiel.

00:17:59: und dann bin ich auf ein Album gestoßen, auf dem fast die komplette Musik Szene der West Coast vertreten ist David Crosby's erstes Solo-Album I Could Only Remember My Name Crosbie sagt er zu der Zeit als er das Album aufgenommen habe sei er in einer sehr kreativen Phase gewesen und habe durch die Aufnahmen an dem Album seine Trauer- und den Verlust durch den Tod seiner Freundin, die kurz zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war verarbeiten wollen.

00:18:27: Außerdem seien jede Menge Drogen im Spiel gewesen aber Name ist ja auch Schall und Rauch!

00:18:34: Jedenfalls ein tolles Album mit dabei Jerry Garcia Paul Kantner Jack Cassidy, Jorma Kaukonen, Phil Lash, Bill Kreuzmann Greg Rowley, Joni Mitchell Graham Nash Neil Young und viele andere.

00:18:47: wirklich die Creme der West Coast.

00:18:51: Bei diesem Track ist allerdings nur einer zu hören Der große David Crosby singt einen französischen Abzellheim oder ein Kinderlied.

00:18:58: Der Text besteht nur aus den Namen vierer französsischer Städte in denen sich große Kathedralen befinden.

00:19:05: Das Lied stammt aus der Zeit des hundertjährigen Krieges im fünften Jahrhundert Nach der Zappelai.

00:19:11: vom Anfang ein schöner militativer Abschluss wie ich finde.

00:19:17: Bis zum nächsten Mal, machts

00:19:22: gut!