Luc Ciompi - ein Gespräch in den Bergen
Shownotes
Wie blickt ein Psychiater auf seine eigene Geschichte, wenn er psychische Erkrankung auch aus der Perspektive eines Angehörigen kennt? Klaus Jansen-Kayser besucht Luc Ciompi in der Schweiz, oberhalb des Genfersees. Im ersten Teil ihres Gesprächs erzählt Ciompi von seiner Kindheit, von familiären Brüchen und von einer frühen Selbstständigkeit, die er rückblickend nicht nur als Belastung erlebt hat.
Seine Mutter erkrankte an Schizophrenie. Die Trennung der Eltern, das Aufwachsen zwischen Italien und der Schweiz und die Kriegszeit prägten seinen Alltag. Ciompi erinnert sich an eine lange Zeit ohne Schulbesuch in Grindelwald, an seine Wissbegierde und an die Freiheit in den Bergen. Zugleich spricht er über Scham, gesellschaftliche Vorurteile und das Schweigen über die Erkrankung seiner Mutter. Erst im Alter begann er, diese Familiengeschichte auch gegenüber Fachkollegen offenzulegen.
Ciompi widerspricht einer einfachen Erklärung seines Berufswegs: Nicht allein die Erkrankung seiner Mutter habe ihn zur Psychiatrie geführt, sondern sein Interesse am Menschen und an dessen unterschiedlichen Lebenswegen. Er beschreibt seine Beschäftigung mit der Psychoanalyse und die spätere Hinwendung zu systemischen Sichtweisen, in denen Familie, Umwelt und gesellschaftliche Zusammenhänge ebenso wichtig sind wie die innere Welt.
Ein ausführliches Vorwort langjähriger Weggefährten ordnet seine Bedeutung für die sozialpsychiatrische Reformbewegung ein. Es geht um die Verbindung von Wissenschaft und praktischer Versorgung, um Rehabilitation, Arbeit und ein Leben außerhalb langjähriger Hospitalisierung. Auch das Soteria-Modell einer sanfteren Akutbehandlung und die Affektlogik werden dort angesprochen.
Zur Orientierung in der Folge:
- 00:39 – Begrüßung und Einführung in die Spezialausgabe zum Welttag der seelischen Gesundheit
- 04:04 – Persönliche Erinnerungen und Einordnung von Ciompis Beitrag zur Reformpsychiatrie
- 24:28 – Beginn des Gesprächs mit Luc Ciompi
- 28:49 – Ausbildung, Psychoanalyse und systemisches Denken
- 33:44 – Kindheit, familiäre Erfahrungen, Autonomie und Stigma
- 49:30 – Musikbeitrag: Konzertansagen und Intros als emotionale Momente
Zum Abschluss führt der Musikbeitrag durch ausgewählte Konzertintros und Ansagen aus der Rockgeschichte. Das Gespräch mit Luc Ciompi wird in einem zweiten Teil fortgesetzt.
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